Die Ausstellung Wege der Moderne. Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen berechtigt zu jedem Superlativ bei ihrer Beschreibung:
zweieinhalb Jahre Vorbereitungszeit, über 600 Exponate, der Höhepunkt von 150 Jahre MAK.
Im Haus herrscht trotz Vorweihnachtszeit bei der Pressekonferenz reger Andrang wie nie und im Team des MAK spürt man euphorische Aufregung. Die letzte große Schau des Jahres ist großartig geworden und alle wissen es.
Ist es Zufall, dass es gerade jetzt in der Phase des großen alljährlichen Kaufrausches um den Konsums geht?
Sowohl Hoffmann, als auch Loos, die sehr elegant und aufwendig auch mit Hilfe beeindruckender Rekonstruktionen in Szene gesetzt und gegenüber gestellt werden, „versuchten dem Individuum eine Stimme zu geben.“ (Kurator Christian Witt-Dörring)
Von 1750 bis heute führt man den Besucher an der Hand, zeigt „eigentlich eine Geschichte des Konsums“ (Direktor Christoph Thun Hohenstein) und ermuntert uns mündige Konsumenten zu sein – oder zu werden.
Wir sind dessen nicht immer gewahr, dass es vor der Industriellen Revolution so etwas wie Massenware nicht gab, keine unendliche Auswahl an Gütern jeglicher Qualität, vor 1750 praktisch keine Manifestation des Individuums. In fünf Kapiteln lustwandelt man durch teilweise noch nie gezeigte Exponate, also Bauten, Einrichtungen, Gebrauchsgegenstände und Schriften, die zu einem Drittel aus internationalen Quellen stammen.
Man begegnet mit Theophil Hansen und Otto Wagner den Vorgänger, staunt in der zentralen Halle besonders über die beiden Schlafzimmer: Josef Hoffmann gestaltete eines für die Wohnung Salzer (Wien, 1902) – das Ornament regiert streng und klar, alles ganz dunkle Eleganz; das Loos’sche Schlafzimmer für die eigene Wohnung (Wien, 1903) hingegen schwelgt in Weiß, der hochflorige Teppich erinnert mich an die frühen 1970er Jahre – immer neu bin ich beeindruckt wie weit er seiner Zeit voraus war.
Michael Embacher hat eine Wand entfernt und die große Ausstellungshalle wird so jetzt voll ausgeschöpft um den Höhepunkt der Wiener Moderne in den Jahren zwischen der Gründung der Secession 1897 und der Vollendung der Hauptwerke um 1910 zu zeigen.
Es folgt die Gegenüberstellung von konsumatorischen und emanzipatorischen Ansätzen nach 1910: Margarete Schütte-Lihotzkys, Oskar Strnad, Josef Frank. Die international orientierte österreichische Avantgarde ist mit Ernst Plischke und dem Wiener Büro Singer & Dicker vertreten.
Nach 1945 wirken die Ideen von Josef Hoffmanns und Adolf Loos immer noch nach. Über Hans Hollein und Hermann Czech gelangt man schließlich zu heutigen Positionen.
Der Blick darf auch immer wieder an die Decke schweifen, damit man nicht die Lampen und Luster übersieht und ein Ausflug zur Werkbundsiedlung passt gut demnächst.
Zwei Stunden Zeit braucht man schon zum Genießen. Die Ausstellung ist dicht, aber erschlägt einen nicht, lehrreich ohne Zeigefinger, spektrakulär, aber nie ein Spektakel.
„Schaun‘ Sie sich das an!“ (Karl Farkas)
Wege der Moderne. Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen
MAK-Ausstellungshalle
Stubenring 5, 1010 Wien
Tel.: 01 / 711 36-0
E-mail: office@MAK.at
web: www.mak.at
Öffnungszeiten: Di 10:00–22:00 Uhr, Mi–So 10:00–18:00 Uhr und jeden Dienstag 18:00–22:00 Uhr Eintritt frei (Mi 24.12, Mi 31.12. bis 15:00 Uhr geöffnet)
Dauer der Ausstellung: seit 16. Dezember 2014 und noch bis zum 19. April 2015!
Preise: € 7,90/ermäßigt € 5,50/Familienkarte € 11, Eintritt frei für Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre
Kurator: Christian Witt-Dörring
Gastkurator: Matthias Boeckl
Die ambitionierte und teure Ausstellung wurde durch mehrere Förderer ermöglicht.
Katalog: WEGE DER MODERNE. Josef Hoffmann, Adolf Loos und dieFolgen, Hg. Christoph Thun-Hohenstein, Matthias Boeckl, Christian Witt-Dörring, deutsch/englisch, mit zahlreichen Beiträgen internationaler ExpertInnen, ca. 300 Seiten; Birkhäuser-Verlag, Basel 2014.