filmplakat

“In 13 durch den Film zum Leben erweckten Gemälden von Edward Hopper wird die Geschichte einer Frau erzählt, die uns durch ihre Gedanken, Gefühle und Reflexionen eine Epoche der Amerikanischen Geschichte – von den 1930er, bis in die 1960er Jahre – betrachten lässt.” G. Deutsch

Wenn wir in unserem bisherigen Leben als Kunstbetrachter_innen Glück hatten,

 

 

kennen wir von dort Edward Hoppers Bilder. Die größte Sammlung ist im Whitney Museum in New York, nur selten sind Hopper Bilder in Europa zu sehen. Die Retrospektive, die 2004 unter anderem im Museum Ludwig in Köln ‘gastierte’, hat auch Gustav Deutsch gesehen und sie hat ihn auf die Idee zu diesem Film gebracht.

stephaniecumming,tomhanslmaier,(c)kgp photo by jerzy palacz‘Shirley’ ist ein Episodenfilm, alle Episoden sind am 28. August eines jeweiligen Jahres angesiedelt. Jede Szenen spielt in nur einem Raum / Bild. So minimal und künstlich gebaut ist ‘Shirley’, weniger Spielfilm als Kunstvideo, sodass man eher vermuten würde, auf ihn in einer Ausstellung zu treffen.
Da würde man dann ein, zwei Szenen anschauen und, wie es üblich ist, zum nächsten Kunstobjekt weiterwandern. Damit könnte man aber nicht in die Langsamkeit des Films hineinwachsen, die der Stimmung der Bilder Hoppers wie vielleicht auch der realen Geschwindigkeit des Alltags in den Anfängen des vorigen Jahrhunderts entspricht. Die Bilder, in der Umdeutung von Malerei zum Film, räkeln sich mehr als dass sie laufen lernten.

stephaniecumming(c)kgp photo by michaelac.theurlHopper wählte die für ihn im jeweiligen Bild ideale Perspektive. Alles Perspektiven, die in der Realität nicht möglich sind. So entstehen im dreidimensonalen Nachbau ‘schräge’ Räume und ‘schiefe’ Möbel – was man auch in der Ausstellung zum Film sehen kann.
Die Farben wurden von den Originalbildern mit Farbkarten abgenommen und exakt auch unter Einberechnung des Lichts, das eine ebenso große Rolle spielt, umgesetzt. Nichts wurde nach dem Dreh überarbeitet.
Und obwohl so ganz und gar real erinnert die Szene immer an virtuelle Räume – ich frage mich ob es etwas verändern würde, wenn die Schauspielerin (großartig Stephanie Cumming) in ebensolchen agieren würde?

Edward Hopper war in seiner Malerei stark vom Film beeinflusst. Leicht ist nachvollziehbar, wie der Film Noir ihn bei der Umsetzung des Lichts und der Schatten geprägt hat.
Filmschaffende von Hitchcock bis zu Wim Wenders oder Scorsese ließen sich wiederum von den Bildern Hoppers, der überaupt ein ‘Künstlerkünstler’ ist, anregen.
stephaniecumming(c)kgp photo by jerzy palaczJetzt sind 13 Hopper Bilder, für die ihm seine Frau Modell stand, zu einem Film geworden, indem Gustav Deutsch, der sich in seiner bekannten filmischen Arbeit mit der found footage Technik auseinandersetzt, den existierendem Images eine neue Erzählung hinzufügt. Er erfindet die Schauspielerin Shirley, die ausdrucksstark und differenziert mit minimaler Gestik und Mimik über Ihr Leben und ihren Beruf reflektiert: der Inszenierung von Realität.

Kein Bilderrausch, eine kühle Konstruktion, die dazu einlädt nachzudenken: über das Amerika zwischen kaltem Krieg und Bürgerrechtsbewegung, die Entstehung eines neuen weiblichen Rollenbildes, die Unterschiede und Ähnlichkeiten von Malerei und Film, über Realismus und über Visionen.
Die Visionen von Edward Hopper, Gustav Deutsch, der Kunstfigur Shirley und die eigenen.

 

 

 

SHIRLEY – der Film

Stadtkino im Künstlerhaus
Filmvorführung: täglich 15.30 Uhr und 17.30 Uhr
LÄNGE: 92 min
PRODUKTION: Österreich 2013
REGIE, Drehbuch:  Gustav Deutsch
Shirley: Stephanie Cumming

VISIONS OF REALITY – die Ausstellung

Künstlerhaus Wien
Gustav Deutsch, Hanna Schimek
Dauer der Ausstellung: 6.11.2013 bis 5.1.2014
Öffnungszeiten: täglich außer Mo 10.00 – 18.00 Uhr

dringende Empfehlung

 

 

 

Dein Kommentar

keke Spam-Abwehr: *

1 comments

  1. Pingback: Kino. Enough Said « kek in wien