Da ist der Wurm drin.
Erwin Wurm.
Die Albertina zeigt in drei Räumen der Säulenhalle zum ersten Mal eine Einzelausstellung.
Der Andrang bei der Eröffnung am 11.12.2012 war nennenswert: von Noever bis zum (portraitierten) Nitsch war alles da, was sich abends noch in Dreiteiler oder Cocktailkleidchen werfen wollte. Dass es bei Eröffnungen mit internationaler Strahlkraft nicht nur um die Kunst geht, liegt in der Natur der Sache – und der der Menschen. Hier kann es auch an der gezeigten Werkgruppe gelegen haben.
Wurm denkt in seinem noch offenen Zyklus über den menschlichen Körper nach, manchmal über den eigenen, immer über den männlichen.
Am berührendsten sind die kleinformatigen Zeichnungen, die mit blauem Fineliner oder Tinte – man verrät es uns nicht – eine zerbrechlichen Mann (Wurm selbst) zeigen: manchmal nachdenklich, manchmal in der Pose des Gekreuzigten. Hier wird sich ein Individuum seiner Endlichkeit bewusst, zweifelt, ist allein mit der eigenen Begrenztheit.
Ein intimer Moment im öberflächlichen Eröffnungstrubel.
Das geneigte Publikum wirkt irritiert insgesamt. Man hatte wohl Spektakuläreres, weniger Ernsthaftes erwartet. Um die Nacktheit der Modelle, allesamt Kollegen, geht es jedenfalls vordergründig nicht.
De Profundis, aus den Tiefen, kann ja alles sein: Wesentliches, Grundsätzliches, Verborgenes.
Erwin Wurm hat am Anfang angefangen: bei sich und seinen Geschlechtsgenossen. Teils großformatige Fotografien zeigen meist nackte Männerkörper. Normale Anatomien im mittleren Alter sind auf einen Divan hingegossen, auf die grünen Wiese gestellt oder in nicht näher definierte Innenräume.
Und übermalt.
Nicht wie bei Arnulf Rainer, aber auch nicht wirklich neuartig. Die großteils hellblauen, schwarzen und olivfarbenen Interventionen rahmen die Körper ein, bedrängen sie, geben ihnen neue absurde Formen, stellen sie aus, erheben sie quasi als Skulptur über die Normalität. Und vielleicht geht es ja darum, dass man nicht in der bedeutungslosen Masse zerfließt, dass man sich und sein Selbst findet bevor man vergeht.
Vermutlich hätte mir eine kleinere Auswahl wohler getan, damit mich die fast Hundertschaft der Wurmschen Bilder nicht erschlägt. Die Hängung ist insgesamt gelungen, die Werkbeschriftungen puristisch. Das Publikum diskutierte teilweise heftig, natürlich gab es höfische Bewunderung für den Meister, aber auch offene Ablehnung und Langeweile.
Erwin Wurm: De Profundis
Albertina
Albertinaplatz 1, 1010 Wien
Tel.: 01 / 534 83-0
E-mail: info@albertina.at
website: www.albertina.at
Öffnungszeiten: täglich 10.00 bis 18.00 Uhr, Mi 10.00 bis 21.00 Uhr
Regulärer Eintrittspreis: Euro 11,00
Die Ausstellung läuft noch bis 17.2.2013.