KEINE ZEIT. AusstellungsansichtDas 21 Haus zeigt eine Gruppenausstellung mit dem Titel KEINE ZEIT.
Ernsthaft? Das mir, der Angehörigen einer Generation, die unter der sich stetig verknappenden Zeit immer mehr leidet.
Wenn Kunst heute immer noch kathartisch ist, dann besteht aber vielleicht Aussicht auf Heilung oder zumindest Besserung.
Ich war bei der Eröffnung.

Freudige Erregung herrschte unter den zahlreich herbeigeströmten Besuchern des Eröffnungsabends. Zur mittlerweile dritten Ausstellung im 21er Haus hat man den Hauptraum klug unterteilt: mir rohen Rigipswänden, unvollendeten Trennmauern wurde pragmatisch auch Zeit gespart und eine neue, stimmige Ästhetik geschaffen. Nach den beiden großzügigen Präsentationen der Vergangenheit empfindet man die geschaffene Struktur als angenehm, man schlendert mit wachsendem Interesse zwischen den Objekten herum und kann sich den einzelnen Positionen zu „Erschöpftes Selbst/Entgrenztes Können“ gut widmen.

Besonders ans Herz legen möchte ich dem geneigten Besucher die Kurzfilme: diese Zeit ist gut investiert!
Bis auf das visionäre „Mobile Büro“ von Hans Hollein aus dem Jahr 1969 sind alle gezeigten Werke zeitgenössisch, das heißt von Menschen geschaffen, die genau wie wir im gleichen Zeitalter der unbegrenzten Möglichkeiten, eines stetig wachsenden Sicherheitsbedürfnisses und immer größere werdender psychischer Belastung eben.

Die gezeigten Arbeiten sind beklemmend, witzig, klug, unterhaltsam und anregend: man vergisst die Zeit.

Cosima von Bonin, THE BONIN / OSWALD EMPIRE’S NOTHING # 04

Judith Hopf, Erschöpfte Vase 4, 2009

Hans Hollein, Mobiles Büro, 1969

Simon Dybbroe Moller, Melody Malady, 2010

 

 

 

 

 

Beteiligte Künstler:
Thomas Baumann, James Benning, Cosima von Bonin, Josef Dabernig, Verena Dengler, Simon Dybbroe Møller, Manfred Erjautz, Claire Fontaine, Rodney Graham, Hans Hollein, Siggi Hofer, Judith Hopf, Lone Haugaard Madsen, Michel Majerus, Christoph Meier, John Miller, Ute Müller, Olaf Nicolai, Laura von Niederhäusern, Stefan Panhans, Josephine Pryde, Werner Reiterer, Kirstine Roepstorff, Santiago Sierra, Nicole Six & Paul Petritsch, Josef Strau, Adrian Williams

Kuratorin: Bettina Steinbrügge
Adaptiert nach einer Idee von Cosima Rainer, die bereits vor etwa zwei Jahren entstanden ist.

Die sehenswerte Schau wird durch durch Interventionen und Performances von Studierenden des Programms Master in Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien in Zusammenarbeit mit den Lehrenden Diedrich Diederichsen und Constanze Ruhm bereichert.
Also nicht erschrecken, wenn eine (vermeintliche) Putzfrau samt Wagen hinter einem vorbeischleicht und zu kehren beginnt, es könnte eine(r) der Studierenden sein: Ana de Almeida, Ilona Elizabeth Braun, Anke Dyes, Martina Kigle, Nathalie Koger, Kai Maier Rothe, Jan Hendrik Müller, Nina Prader, Maria Rodriguez, Claudia Sandoval Romero, Julia Tirler.

 
 
 
KEINE ZEIT21er Haus am Eröffnungstag von "Keine Zeit"
Erschöpftes Selbst / Entgrenztes Können

21er Haus
Schweizergarten, Arsenalstraße 1, 1030 Wien
Tel.: 01 / 795 57-700
E-mail: info@21erhaus.at
website: www.21erhaus.at

Regulärer Eintrittspreis: Euro 7,00
Jeden Sonntag findet um 14.00 Uhr eine Überblicksführung statt. (Euro 4,00; keine Anmeldung erforderlich) Spannendes Begleitprogramm!

Die Gruppenausstellung läuft seit 20.9.2012 und noch bis zum 6.1.2013.

Literaturtipp:
„Das Erschöpfte Selbst, Depression und Gesellschaft in der Gegenwart“, Alain Ehrenberg, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN: 9783593375939, broschiert, 305 Seiten, etwa Euro 25,00.

 

 

 

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