KitchenSoundPerformance. Foto (c) 8660.at

Kitchen Sound Performance: „Jedes Mahl ein kleines Fest.“

Eine Kochperformance, eine Performanceküche, ein Ohrenschmaus, ein Augentheater, ein kulinarisch künstlerischer Abend – bei Kitchen Sound Performance erlebt man auf alle Fälle ein sinnvolles Vergnügen.

Es ist einer der wenigen lauen Frühlingsabende Mitte April 2015. Wol und ich sind neugierig in den 3. Bezirk in die Baumgasse 52 gepilgert: Ein performatives Kochen inklusive Soundinstallation und die dabei fabrizierten Gerichte verzehrt dann das Publikum? Spannend.

vor der Performance von Kitchen Sound Performance, Foto (c) kekinwien.at

vor der Performance von Kitchen Sound Performance, Foto (c) kekinwien.at

Die Kitchen Sound Performance bittet zu Tisch  –  oder so …

Im Hinterhofgarten eines Wohnhauses werden wir mit Prosecco samt Erdbeergarnitur freundlich empfangen. Langsam trudeln auch die anderen der insgesamt 30 Gäste ein. Die Vorfreude des eher jungen Auditoriums ist spürbar. Friedlich teilen sich die Menschen in die bunt gemischten Sesselreihen des zum Theater umfunktionierten Werkraumes auf.

Vorne steht eine großer Arbeitstisch mit zwei Kochplatten, daneben eine Art DJ-Pult, darüber hängen Mikrofon und Kamera, dahinter sind wenige wenige Kochuntensilien aufgebaut und eine Leinwand, auf die das Geschehen auf der Arbeitsfläche projiziert wird.
Ob wir da nicht hungrig heimgehen werden?

von links nach rechts: Titi Laflora, Fräulein Terpsi, KEINKEIN;  Foto (c) wol für kekinwien.at

von links nach rechts: Titi Laflora, Fräulein Terpsi, KEINKEIN; Foto (c) wol für kekinwien.at

Kitchen Sound Performance = hoher Unterhaltungswert + tolle Geschmackserlebnisse

Licht aus, Spots an auf zwei Frauen in Schürzen, die behände und großteils schweigend zu kochen beginnen. Ein großer Topf kommt auf die Kochplatte, kleine Richtmikros fangen das Klackklack der Maiskörner auf, die in das heiße Öl fallen. Der Soundkünstler an der Reglern nimmt alles auf und im Lauf der Abends entsteht aus dem Hacken und Schnetzeln, dem Schlagen im Schneekessel, dem Klappern des Toasters und dem Kurbeln der Nudelmaschine ein gekonnt gewebter Soundteppich.

Die Choreografie der Köchinnen wird von der „Musik“ synchron begleitet, mit der Dramaturgie im Menü steigert sich auch die Lautstärke und Intensität der Klänge. Beeindruckend, uns bleibt gelegentlich der Mund offen stehen – nicht nur zur Nahrungsaufnahme.

„Schauen, hören, riechen, schmecken, essen. Alle Regler auf Kurzweil.“

In den 90 Minuten der Performance passt man auf wie der Haftelmacher, beobachtet quasi die best mögliche aller Kochsendungen, muss schmunzeln und verzehrt fünf ad hoc zubereitete Gerichte. Inspirierend. Das Erleben ist ein gemeinsames, denn die handlichen Portionen in Einweggeschirr muss man ebenso durch die Reihen reichen wie die leeren Pappteller nach jedem Gang.

Danach verweilen noch viele und besprechen das Erlebte oder plaudern mit den KünstlerInnen. Man kann dabei erfahren, dass das die 10. Performance war, und dass es nach Entwicklung eines neuen Menüs immer genau eine Generalprobe gibt. Und dass die technische Ausrüstung laufend erweitert und verfeinert wird.
Alle wirken satt und glücklich.

Melancholie in Mais, Foto (c) wol für kekinwien.at

Melancholie in Mais, Foto (c) wol für kekinwien.at

Menü vom 16. April 2015:

  • 1 Melancholie in Mais
    Es gab Popcorn.
    Das hatte damals schon Herr Gradwohl für das Fabios postuliert, dass das die Verdauungssäfte in Schwung bringt!
  • 2 Brot und Liebe
    Bruschetta mit Tomaten, Petersilie, Olivenöl und Knoblauch.
    Sehr gut, die Petersilie setzt deutlichere Akzente im Vergleich zum sonst üblichen Basilikum; Küssen geht danach allerdings nur mehr mit anderen TeilnehmerInnen der Performance, denn der Knoblauchanteil war deutlich mehr als ein Hauch – gut so!
  • 3 Stracciatella
    Eine angesetzte Rinderbrühe mit eingerührtem Ei, Brösel und Parmesan.
    Eine echte, kräftige Rindsuppe, die allein schon wunderbar wäre, wird mit Ei, Bröseln, geriebenen Zucchini und Karotten angereichert. Das schmeckt gut und gibt Kraft, wenn man von einem langen Arbeitstag am Feld (oder Schreibtisch) nach Hause kommt.
  • 4 Pasta Puritana
    Tagliatelle mit Bärlauchpesto.
    Die Pasta wird großteils ebenso spektakulär wie elegant live durch die Nudelmaschine gejagt. Ich mag ja Bärlauch nicht so rasend gern, aber hier fügte er sich in ein mildes, harmonisches Ganzes.
  • 5. Fruchtpoesie
    Mascarponecreme mit Fruchtsauce.
    Oh ja, ein würdiger Abschluss und nichts für Kalorienzähler. Das Dessert mit Fruchtspiegel und frischen Früchten im klassisch zylindrischen Achterlglas serviert hätten einige gern gleich noch einmal geordert.

Fazit: Ein kurzweiliger, genussreicher Abend und eine völlig neue Art gemeinsam zu essen.

Schön mit der Liebsten oder dem Liebsten, ein super Geschenk für sowohl an Kunst, als auch an Kulinarik interessierten Menschen, sehr lässig für eine private oder geschäftliche Feierlichkeit.

Dessert bei der KitchenSoundPerformance, Foto (c) wol für kekinwien.at

Dessert bei der Kitchen Sound Performance, Foto (c) wol für kekinwien.at

 

Kitchen Sound Performance

Buchung: +43 664 442 84 79 oder per Mail
website: http://kitchensoundperformance.net/
fb: https://www.facebook.com/kitchensoundperformance
Team: KEINKEIN, Fräulein Terpsi, Titi Laflora

nächste Termine:
1. Juni 2015, 19.00 Uhr, Speisekammer, Tigergasse 31, 1080 Wien
17. September 2015, 19.00  Uhr, Baumgasse 52, 1030 Wien
Preis: 39 € pro Person
Die Personenanzahl ist mit 30 limitiert, aber Veranstaltungen für mehr als 30 Personen sind nach individueller Absprache machbar.

Keker Tipp: Weil man nur zwei Hände hat, ist das mit den Getränken während der Performance ein bisschen schwierig. Ich werde mir beim nächsten Mal gleich zu Beginn ein Getränk zum meinem Sitzplatz mitnehmen.

Beitragsbild ganz oben (c) 8660.at

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