das Programmheft zu "Liliom" im BurgtheaterEs ist schon lange her, dass ich Liliom begegnet bin. Schulzeit. Lesen mit verteilten Rollen in der Deutschstunde.
Weil Nicholas Ofczarek diesen charismatischen Strizzi verkörpert, pilgern wir ins Burgtheater.
Bildungslücke schließen.

Franz Molnár hat den Text 1919 verfasst und erst in der Übersetzung von Alfred Polgar wurde das Stück zum Erfolg.
Wenn ich nicht irre, hat man sich sehr an die ursprüngliche Vorlage gehalten.

In Musik, Kostüm (von Esther Geremus) und Bühnenbild erfolgt die gelungene Transformation in ein zeitloses Jetzt.
Besonders die Bühnenbilder von Bettina Meyer sind großartig!
Vor allem die Szene im Himmel beeindruckt sowohl durch Ästhetik, als auch durch Funktionalität. Achte darauf, wenn Liliom am Ende der Szene abgeht: in eine flache Wand. Und wie er in der nächsten Szene umgezogen wieder erscheint, ohne die Bühne verlassen zu haben.

Von der Schauspielkunst des Nicholas Ofczarek als Liliom hatten wir uns zu viel erwartet.
Zu viel Braunschlag, zu wenig Wien.
Man kann nicht nachvollziehen, warum ihm die Frauen verfallen oder zumindest reicht seine Ausstrahlung nicht bis in die Ränge. In einem Interview auf Ö1 löst Ofczarek die Frage nach dem Warum so auf: „Ich versteh‘ oft nicht, was gewisse Frauen an gewissen Männern finden … Man könnte auch sagen, die Julie hod an Pascher.“
Aber die leisen Töne beherrscht er großartig, er berührt in den Szenen des Selbstzweifels und der Läuterung.

Was dem Erfolg des Stücks in dieser Inszenierung aber wirklich ein Bein stellt, ist die statische Führung der Figuren.
Besonders unverständlich und die Glaubhaftigkeit beschädigend in der Szene, in der Liliom zu seiner fast erwachsenen Tochter aus dem Himmel  zurückkehrt, sehr gut als Luise Jasna Fritzi Bauer.
Die Regie zwingt auch Katharina Lorenz als Julie in eine Art Dauerstarre und bei unseren Gesprächen nach der Vorstellung kann sich niemand erklären, was Liliom an dieser Julie wohl begehrenswert gefunden haben mag.

Unterm Strich ein eher durchwachsener Abend, der uns sechs Menschen aus dem Publikum ein wenig bedauern lässt, dass er nicht so großartig war, wie er hätte sein können.
Dennoch: eine Empfehlung.

 

Liliom mit Frau Muskat, Foto aus dem ProgrammheftLiliom und Julie, Foto aus dem Programmheft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liliom von Franz Molnár

Burgtheater

Universitätsring 2, 1010 Wien
Tel.: 01 / 51444-4145
E-mail: info@burgtheater.at
website: www.burgtheater.at

Regie: Barbara Frey
Dramaturgie: Amely Joana Haag
mit Nikolas Ofczarek (Liliom), Katharina Loren (Julie), Mavie Hörbiger (Marie), Barbara Petritsch (Frau Muskat), Jasna Fritzi Bauer (Luise), Brigitte Furgler (Frau Hollunder), Daniel Sträßer (Ficsur), …

Dauer der Aufführung: etwa zweieinhalb Stunden, eine Pause
Termine: 21.5., 25.5. und 10.6., 18.6., 21.6., 24.6., 25.6. 2013
Kartenverkauf online und an den Bundestheaterkassen.

Inhalt:
„Liliom, der beste Ausrufer beim Ringelspiel der Frau Muskat, ein begehrter Kenner der verheißungsvollen Illusionsmaschinerie fürs Volk, trifft auf das Dienstmädchen Julie und damit auf eine schicksalhafte Liebe. Beide setzen noch am selben Abend ihre Anstellung aufs Spiel und finden als „Hinausgeworfene“ in der Bretterbude der Schnellfotografin Hollunder Unterschlupf.
Doch Liliom, unbezähmbar und stolz, leugnet die Liebe, die ihn erfasst hat, stattdessen schlägt er um sich, und diese harten Schläge treffen Julie. Als Julie schwanger wird, steigert sich die Existenznot des Paares. Liliom – randvoll mit Vorfreude auf sein Kind – lässt sich vom Kleinkriminellen Ficsur zu einem Raubüberfall verführen, der seiner Familie ein neues Leben in Amerika ermöglichen soll. Der Überfall misslingt, und Liliom wählt den Freitod, um seiner Schande zu entkommen. Im Jenseits allerdings wartet ein Selbstmördergericht auf ihn, welches ihm nach sechzehn Jahren Fegefeuer eine zweite Chance auf Erden anbietet, eine Wiederbegegnung mit der verwitweten Julie und seiner inzwischen herangewachsenen Tochter Luise.“ (Burgtheater)

Empfehlung !

 

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