Graffiti im Flakturm. Niemals vergessen!

Eröffnung, Graffiti im Flakturm, Künstlerhauspassage

In der Passagegalerie des Künstlerhauses am Karlsplatz sind Abbildungen von Graffitis ausgestellt, mit denen sich die Zwangsarbeiter bei der Errichtung des Flakturms im Arenbergpark verewigt haben. Wir waren am 3. April 2015 bei der Eröffnung von Graffiti im Flakturm. Spuren der Zwangsarbeit in Wien.

 

Der Zulauf zur Eröffnung ist so enorm, dass manche gar nicht eintreten können in den lang gestreckten Waschbetonraum. Heidemarie Uhl redet, ein Trio singt das Lied von Moorsoldaten, nach dem offiziellen Teil bleiben viele noch lang und betrachten die Objekte mit großer Neugier und, fast will ich sagen, Anteilnahme.

Junge und Alte stellen sich an, um die in Wänden und Türstöcken hinterlassenen Zeugnisse einer nahezu vergessene Gruppe von Opfern abzuschreiten: die Zwangsarbeiter des Naziregimes.

SAM_3658

Die Dokumentation der Graffiti im Flakturm dauerte sieben Jahre.

Die in erster Linie zu Propagandazwecken errichteten Flaktürme wurden unter menschenunwürdigen Bedingungen von Soldaten aus Frankreich, Italien oder Russland errichtet. „Es war so arg, so arg. Jeder konnte am nächsten Tag weg sein. Du konntest dir deines Lebens nie sicher sein.“ zeigt sich einer der Besucher im Anschluss betroffen. Bei schlechter Unterbringung und Ernährung, unter Repressalien und gefährlichen Arbeitsbedingungen errichteten die Männer die Betonkolosse – und verewigten ihren Namen, ihre Botschaften für die Nachwelt.

Im Rahmen eines  sieben Jahre währenden Projekts des Interdisziplinären Forschungszentrums Architektur und Geschichte – iFAG in Kooperation mit dem Künstlerhaus wurden 90 Prozent der Wände gescannt und das Material wissenschaftlich aufgearbeitet. Teilweise mussten die Graffiti unter beträchlichem Aufwand vom Putz befreit und frei gelegt werden.

Die Stadt Wien erlaubt den öffentlichen Zugang zum Flakturm nicht –  vor Nachtundnebelaktionen sei hier ausdrücklich gewarnt, es besteht zumindest die Gefahr, dass man nicht mehr herausfindet! Die aktuelle Präsentationsform wurde mit viel Fingerspitzengefühl erdacht. In der Passage sind 40 ausgewählte Zeitdokumente zu sehen.

Im April 2015 jährt sich die Befreiung Wiens von Nationalsozialismus zum 70. Mal. Niemals vergessen.
bei der Eröffnung von "Graffiti im Flakturm"rechts das Foto vom Original, links die Verdeutlichung, Information und DeutungHakenkreuz am Galgen ...

 

Graffiti im Flakturm
Spuren der Zwangsarbeit in Wien

Künstlerhaus, Passagegalerie

Karlsplatz 5, 1010 Wien
Tel.: +43 1 587 96 63
E-mail: office@k-haus.at
Öffnungszeiten: täglich außer Mo 10.00 – 18.00 Uhr, Do 10.00 – 21.00 Uhr

Dauer der Ausstellung: seit 3. April und noch bis zum 6. Mai 2015!
Eintritt frei!
KuratorInnen:  Ute Bauer-Wassmann, Thomas Pototschnig

Führungen für Schulklassen und Gruppen
Führungspauschale: Euro 50,- (exkl. Eintritt)
Gruppengröße max. 25 Personen; Dauer: 60 min
Information und Buchung:
E-mail: kunstvermittlung@k-haus.at
Tel.:  01 / 587 96 63 / 20

Keker Tipp: Jeden Donnerstag von 18.30 – 21.00 Uhr sind die Kuratorin der Ausstellung Ute Bauer-Wassmann oder ihr Kollege Thomas Pototschnig vor Ort.

Rahmenprogramm:

19.04.2015, 15 Uhr:
Führung – Graffiti im Flakturm – 19.4.2015

29.04.2015, 18:30 Uhr:
„Letzte Mitteilung an die Welt“
Vorträge und Gespräche

03.05.2015, 15 Uhr:
Führung – Graffiti im Flakturm – 3.5.2015

4sterne

 

Dein Kommentar

keke Spam-Abwehr: *