Unruhe nach dem Sturm. Günter Brus.
Anlässlich des achtzigsten Geburtstags des Künstlers zeigt das Belvedere 21 (ehemals 21er Haus) in Wien noch bis zum 12. August 2018 eine umfassende Retrospektive. Wir waren in der Ausstellung …
Es gibt Künstler, deren Werk fasziniert uneingeschränkt.
Günter Brus ist für mich genau so ein Künstler.
Den meisten ist er aber wohl als Mitbegründer des Wiener Aktionismus ein Begriff.
Wer kennt ihn nicht, den Wiener Spaziergang (1965, siehe bitte Beitragsbild oben): Brus, der weiß bemalt als „lebendes Gemälde“ durch Wien geht. Doch das Gesamtwerk umfasst viel mehr. Neben bekannten Aktionsfotos zeigt die Ausstellung im Belvedere 21 serielle Zeichnungen und „Bild-Dichtungen“ sowie Filme, Theaterarbeiten und auch bis dato unbekannte Werkserien.

Ausstellungsansicht „Günter Brus. Unruhe nach dem Sturm“, Foto: Sophie Thun, © Belvedere, Wien, 2018
Sechs Themenfelder werden im Rahmen von „Unruhe nach dem Sturm“ dabei aufgegriffen:
- Malerei im erweiterten Feld
„Mein Körper ist die Absicht, mein Körper ist das Ereignis, mein Körper ist das Ergebnis.“ (Günther Brus)
Im Mittelpunkt steht der Körper – vom Träger einer im Raum erweiterten Malerei bis schließlich hin zum Objekt der Analyse. Zu bewundern gibt es etwa die erste Aktion Ana oder auch die Zerreißprobe. - Günter und Anna Brus
Diese Teil thematisiert die Arbeiten des Aktionisten und die Kooperation mit seiner Frau Anna. - Bild und Narration
1971 veröffentlicht Brus seinen ersten Roman Irrwisch, den er mit Zeichnungen illustriert. Daraus entwickelte sich eine neue Kombination von Literatur und bildender Kunst. - Kollaborationen
Nicht nur mit seiner Frau arbeitete der Künstler zusammen. Gezeigt werden Kollaborationen mit Künstlern wie Arnulf Rainer, Jörg Schlick, Dominik Steiger und Sophia Süßmilch. - Theater und Psyche
Zu bewundern sind Entwürfe zu Bühnenbilder und Kostüme sowie Stückinhalte. - die Berliner Zeit
Aufgrund einer drohende Haftstrafe im Zuge der Aktion Kunst und Revolution, besser bekannt als „Uniferkelei“ floh Brus Ende der 1960er Jahre nach Berlin. Dort widmete er sich vermehrt der Bilddichtungen. Hier entstand auch die Künstlerzeitung Schastrommel.

Günter Brus, „Transfusion“, 1965-1999, Sammlung Günter Brus, Foto: Ludwig Hoffenreich, © Günter Brus, Farbfotografien
Fazit: „Unruhe nach dem Sturm. Günter Brus“ im Belvedere 21 ist eine umfangreiche, gelungen kuratierte Schau, die Bekanntes, aber auch weniger Bekanntes zeigt. Eine Ausstellung, die dem Künstler gerecht wird und uneingeschränkt begeistert!

Günter Brus, „Luna Luna“, Außenseite Pavillon, 1987 © Archiv Brus, Farbfotografien
Unruhe nach dem Sturm. Günter Brus
Belvedere 21
Schweizergarten, Arsenalstraße 1, 1030 Wien
Tel.: +43 1 795 57 770
E- mail: public@21erhaus.at
website: www.21erhaus.at
Öffnungszeiten: Do, Sa, So 11.00 – 18.00 Uhr; Mi und Fr 11.00 – 21.00 Uhr
Eintritt: regulär Euro 8,00
Führungen: zum Beispiel immer sonntags von 16.00 – 17.00 Uhr
Kurator: Harald Krejci
Die Ausstellung läuft seit 2. Februar und noch bis zum 12. August 2018.
Keker Tipp: Mit der kostenlosen Smartphone-App Artivive werden in der Ausstellung mehr als 30 Werke in Bewegung versetzt.
Insgesamt sollte man sich mindestens eine Stunde für den Kunstgenuss Zeit nehmen.
(Beitagsbild: Günter Brus, Wiener Spaziergänge, 1965, Foto: Ludwig Hoffenreich (c) Günter Brus)