das aktuelle Ausstellungsplakat der Kiesler-StiftungAuf der Mariahilferstraße 1b gibt es einen Ort der Stille.
Kein Meditationszentrum.
Keine Shiatsupraxis oder Ähnliches.
Es ist ein Ausstellungsraum.
Man tritt vom geschäftigen, kommerziellen Treiben auf der Einkaufsstraße in ein Gründerzeitstiegenhaus, erklimmt den 1. Stock und ist baff.

 

Die Lillian und Friedrich Kiesler Privatstiftung hat dort eine Kleinod geschaffen um das Werk des austro-amerikanischen Architekten, Künstlers, Designers und Theoretikers zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kiesler, der 1965 verstarb, hinterließ ein umfangreiches Werk von über 18.000 Dokumenten, dass einen an das Streben nach dem Gesamtkunstwerk früherer Epochen denken lässt. Er versteht die Künste interdisziplinär und überlässt nichts dem Zufall.
Ein hervorragendes Beispiel für seine teils visionären bis utopischen Denkwelten zeigt die Gestaltung einer Ausstellung im Auftrag von Peggy Guggenheim 1942 in New York. Die Korrespondenz hierzu ist erhalten und zaubert einem mit Sicherheit ein Schmunzel ins Gesicht: Guggenheim bittet Kiesler um Hilfe und lässt ihm völlig freie Hand bei der Präsentation ihrer Sammlung (damals) zeitgenössischer europäischer Kunst – mit der einzigen Auflage, dass die Bilder nicht gerahmt werden dürfen.

Kielser erschuf für die neuen Galerie „The  Art of the Century“ spektakuläre, teils kinetische und bahnbrechenden Präsentationsvorrichtungen, die in der Surrealist Gallery gipfelten, einem eigens zur Präsentation der Arbeiten von Ernst, Dali, Magritte und Giacometti geschaffenen Raum. Den theoretischen Überbau lieferte Kiesler mit dem Correallismus gleich mit.
Ein im Maßstab 1:3 gefertigtes Modell ist hier in den Räumen der Kiesler-Privatstiftung zu bestaunen.
Leichter Ärger steigt in mir auf, wenn ich an so manche Ausstellung der letzten Jahre anderswo, ihre schlechten Präsenationstechniken, die gedankenlose Hängung und benutzerfeindliche Dokumentation denke.
Kiesler hätte sich im Grab umgedreht…

Die aktuelle Ausstellung (Vernissage am 2.2. 2012) beschäftigt sich mit einem Meilenstein in Kieslers Werk, dem Space House.
Gemäß seinem Credo „Raum ist nur für denjenigen Raum, der sich in ihm bewegt“ entwarf Kiesler ein modernistisches Wohnhaus, das bis heute (als leider nicht realisierter Entwurf) nichts an Modernität, Funktionalität und Ästhetik eingebüßt hat. Wer das Haus der Architektengruppe querkraft in 1160 Wien am Sprengersteig kennt, wird über die Parallelen erstaunt sein !
Schon wieder baff.
Schauen Sie sich das an!

Friedrich Kiesler, Space House, Fassade, 1933;copyright KieslerStiftung

 

 

 

 

Österreichische Friedrich und Lilian Kiesler Privatstiftung

Mariahilferstraße 1B, 1060 Wien
Tel: 01 / 513 07 75
e-mail: office@kiesler.org
website: www.kiesler.org
Öffnungszeiten: Mo bis Fr 9.00 – 17.00 Uhr, Sa 11.00 – 15.00 Uhr und nach Vereinbarung, So und Fei geschlossen
Ausstellungsdauer: 3. Februar bis 4. Mai 2012
Einrtitt frei.

Dein Kommentar

keke Spam-Abwehr: *