BLICK IN DIE HAUPTNISCHE DER VIRGILKAPELLE Foto: Kollektiv Fischka/Kramar mit Sabine Wolf © Wien Museum

Wer sich traut, steigt hinab, tief unter den Stephansplatz. Aber zuerst muss er die richtige U-Bahnstation finden. Ein Abenteuer im mittelalterlichen Wien: die Virgilkapelle.

Es gibt zwei gravierende Kritikpunkte an der Virgilkapelle seit ihrer Wiedereröffnung Ende 2015 nach ihrer Renovierung.

1. Eine alte, wirklich sehr sehr alte Dame beschwerte sich bitterlich, dass man jetzt Eintritt bezahlen muss.
Sie war offenbar zumindest die letzten zehn Jahre Stammgast. Aber tatsächlich kann man vom Foyer aus gratis durch die Glastüren in die Kapelle hinab sehen. Natürlich ist das nicht dasselbe. Man kann nicht Geschichte atmen durch eine Glastür.

2. Und dieser Punkt wirkt tatsächlich viel schwerer: Die Virgilkapelle ist für Uneingeweihte nicht so leicht zu finden.
Ich bin für einen deutlichen Hinweis im praktisch darüber liegenden Stephansdom in allen Sprachen! Außerdem sollten an jedem U-Bahn-Eingang am Stephansplatz Schilder auf dieses außergewöhnliche Juwel aufmerksam machen.

ILLUSTRATION DES UNTERIRDISCHEN RAUMES VOR EINBAU DES GEWÖLBES MIT EINER DARÜBER GEPLANTEN KAPELLE, MITTE 13 JH. © Patrick Schicht

ILLUSTRATION DES UNTERIRDISCHEN RAUMES VOR EINBAU DES GEWÖLBES MIT EINER DARÜBER GEPLANTEN KAPELLE, MITTE 13 JH. © Patrick Schicht

Denn ein Besuch in der Virgilkapelle ist beeindruckend und bereichernd.

Die Investition der Stadt von – wie man hört Euro 300.000,- in die Restaurierung der zum Wien Museum gehörenden Virgilkapelle ist jeden Cent wert.
Der Raum wurde über zwei Wendeltreppen so zugängliche gemacht, dass die Infrastruktur in Schwarz zurücktritt und möglichst wenig Platz verloren geht. Eine Klimaanlage sorgt dafür, dass die Fresken aus dem Mittelalter bei optimalen Bedingungen erhalten bleiben.

WANDMALEREI MIT DARSTELLUNG EINES FRONTAL BLICKENDEN GESICHTS Foto: Kollektiv Fischka/Kramar mit Sabine Wolf © Wien Museum

WANDMALEREI MIT DARSTELLUNG EINES FRONTAL BLICKENDEN GESICHTS Foto: Kollektiv Fischka/Kramar mit Sabine Wolf © Wien Museum

Ein optimal gestalteter Audioguide in Form eines i-Pads informiert darüber, welche Geheimnisse diesem zauberhaften Ort entlockt werden konnten, und welche nicht.

Die Kapelle aus dem Zeitraum 1220/30 wurde beim Bau der U-Bahn 1973 entdeckt. Ein ungewöhnlicher Grundriss, über elf Meter Raumhöhe, rote Fugenmalereien und Radkreuze: Wer will, kann in diesem Sakralraum Geschichte erleben oder lernen. Oder einfach nur ein Viertelstunde zur Ruhe kommen und das verrückte, hektische, dichte Menschentreiben oben zur ebenen Erde vergessen …

BLICK IN DIE VIRGILKAPELLE Foto: Kollektiv Fischka/Kramar mit Sabine Wolf © Wien Museum

BLICK IN DIE VIRGILKAPELLE Foto: Kollektiv Fischka/Kramar mit Sabine Wolf © Wien Museum

 

Virgilkapelle

U1-Station Stephansplatz, Ausgang Stephansplatz, 1010 Wien
Tel.: +43 1 505 87 47
E – mail: office@wienmuseum.at
web: www.wienmuseum.at/de/standorte/virgilkapelle
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertag 10.00 -18.00 Uhr (1.5. und 25.12.2016 geschlossen)

Eintrittspreise: regulär: Euro 5,00
Audioguide gratis; Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre haben freien Eintritt. Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt für alle frei. Die angeschlossene, kompakte Ausstellung bietet einen historischen Abriss zum mittelalterlichen Wien und ist ebenfalls sehenswert.
Die unteren Bereiche sind wegen der engen Wendeltreppen nicht barrierefrei erreichbar.

Zugang zur Virgilkapelle in der U-Bahn-Station Stephansplatz, Foto (c) Claudia Busser - kekinwien.at

Zugang zur Virgilkapelle in der U-Bahn-Station Stephansplatz, Foto (c) Claudia Busser – kekinwien.at

(Beitragsbild:
BLICK IN DIE HAUPTNISCHE DER VIRGILKAPELLE, Foto: Kollektiv Fischka/Kramar mit Sabine Wolf © Wien Museum)

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