Das Vitriolkabinett, Günter BrusLeicht gehetzt und ein bisschen außer Atem, weil verspätet betreten wir (club und pia) den historischen Lift in der Seilerstätte 15, schälen uns oben angelangt aus den Wintermänteln, starten im Stiegenhaus sofort auf die aufgelegten Bücher und Kataloge zu, schauen nicht nach rechts und links, fokussiert und voller Vorfreude auf die Vernissage.
Und dann doch ein kurzer Blick nach rechts:
ich kann’s irgendwie immer noch nicht so recht glauben – sitzt dort auf den Stufen im Stiegenhaus Herr Günter Brus, allein, und raucht entspannt eine Zigarette.
Gern würde ich mich dazugesellen, traue mich dann aber doch nicht.
Auf jeden Fall sehr sympathisch ist das – und das sage ich nicht nur, weil ich ein großer Bewunderer seiner Arbeiten bin.

Wer kennt ihn nicht, den “ Wiener Spaziergang (1965)“: Günter Brus, der weiß bemalt als „lebendes Gemälde“ durch Wien geht.
Die Galerie Heike Curtze präsentiert im Moment „Das Vitriolkabinett“, aktionistische Fotografien einer bisher wenig bekannte Aktion aus dem Jahr 1966, fotografiert von Ludwig Hoffenreich; erwerbbar für 5.900,- Euro, 1966, 12 Fotos mit 60 cm x 50 cm, Auflage 35+5.

Günter Brus im Gespräch mit Heike Curtzeauf der Vernissage von Günter Brus, "Das Vitriolkabinett"das "direket Modell" aus dem Vitriolkabinett im Gespräch mit Heike Curtze

„Geplant hatte ich ein ‚Leibbild‘, sozusagen ein Gemälde nach alter Weise, aber mit ‚direkten Modell’…ich fertigte für diese Aktion eine Menge von Skizzen, die vermutlich zum größten Teil verschollen sind. Diese Aktion hatte ich zur Zeit ihrer Entstehung nicht betitelt. Nachträglich nenne ich sie ‚Das Vitriolkabinett‘, der ästhetischen Absicht von damals entsprechend.“
( Günter Brus, 2011)
Brus hatte eine ruhige, intime Aktion im Arbeitskeller geplant, seine Frau, damals im vierten Monat schwanger, stimmte zu. Mitten in die Aktion, die in der Brus’schen Vorstellung Grün und Pink enthalten sollte, platze ein Haufen lärmender, feiernder Künstlerfreunde und gab der Arbeit wohl eine andere Wendung als ursprünglich gedacht.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Papierarbeiten in Form von Zeichnungen und Druckkgrafiken.

Für alle, die schon immer ein Bild von Günter Brus erstehen wollten.
Aber auch für alle, die den Wiener Aktionismus schätzen und sich von beeindruckenden Fotos gedanklich durch eine Aktion führen lassen wollen.

Das Vitriolkabinett, Günter BrusStillstand der Dynamik, Günter BrusKataloge zu Günter Brus

Günter Brus, Das Vitriolkabinett

Galerie Heike Curtze
Seilerstätte 15/16, 3. Stock, 1010 Wien
Tel.: 01 / 512 93 75
e-mail: wien@heikecurtze.com
website: www.heikecurtze.com

Öffnungszeiten: Di bis Fr 11.00 – 19.oo Uhr, Sa 12.00 – 16.00 und nach Vereinbarung.
Die Ausstellung ist noch bis zum 3. März 2012 zu sehen.

Begleitend seien Auszüge aus dem neuen Portfolio von Günter Brus empfohlen.
Zu sehen in „Melancholie und Provokation, Das Egon Schiele – Projekt“,  im Leopold Museum,
noch bis zum 16. April 2012, www.leopoldmuseum.org.

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