The Other Side Of Hope, Filmplakat - kekinwien.at

The Another Side of Hope, Die andere Seite der Hoffnung, Toivon tuolla puolen.

Wenn Aki Kaurismäki einen neuen Film herausbringt, pilgern die Cineasten scharenweise ins Kino.
Ein sicherer Tipp?

Der Syrer Khaled (Sherwan Haji) gelangt auf seiner langen beschwerlichen Flucht schließlich eher zufällig nach Finnland und sucht in Helsinki um Asyl an. Der Finne Waldemar (Sakari Kuosmanen) trennt sich nach Jahrzehnten von der eigenen Firma und Ehefrau um seinen Lebenstraum zu verwirklichen: ein eigenes Restaurant. Die Wege der beiden kreuzen einander …

Die erwähnten Cineasten waren übrigens vorwiegend weißhaarig, soll heißen, wir haben den Altersschnitt in der Vorstellung am frühen Montagabend ganz schön nach unten gedrückt. Aber wenn ich nachdenke, als die Kaurismäki Brüder Aki und Mika im Kino ganz groß wurden mit Filmen wie Leningrad Cowboys Go America (1989) oder Helsinki Napoli All Night Long (1987) waren die anderen Kinobesucher wohl auch in den Dreißigern oder Zwanzigern wie ich damals. Kinder, wie die Zeit vergeht!

Ist der neue Film von Kaurismäki so gut wie jene von damals? Wird es tatsächlich eine „Flüchtlinstrilogie“ mit Le Havre (2011) als erstem Teil geben, so wie der Regisseur es angekündigt hat? Man darf gespannt sein.

 

 

Ein typischer Kaurismäki …

Die Farben sind kühl, die Musik das ganze Gegenteil davon, und beides wunderbar. Die Bildsprache ist einem vertraut, einige Szenenbilder gerieten großartig, die Figuren sind alles andere als langweilig und teilweise bis an die Grenze des Machbaren überzeichnet. Geliebt habe ich das Tempo, das niedrige Tempo des Filmes, in dem Musiknummern ganz bis zu ihrem Ende gespielt werden dürfen, Menschen irgendwo zusammen sitzen oder stehen, trinken, rauchen – und schweigen.

Man mag die beiden Männer, die nach Herkunft, Alter und Stand so unterschiedlich scheinen. Es eint sie aber etwas: Menschenliebe. Khaled würde jederzeit das Leben geben für seine Schwester, von der er auf der Flucht getrennt wurde. Der Rest der Familie hat ein Bombardement auf Aleppo nicht überlebt. Waldemar kommt aus einer anderen Hölle, die die Ehe mit seiner an Alkoholismus erkrankten Ehefrau wohl gewesen sein muss. Auch er ist ein Menschenfreund, ganz ohne große Worte oder Gesten, pragmatisch und lösungsortientiert tut er das, was eben nötig ist.

Eine Tragikkomödie oder ein Märchen?

Den Humor habe ich nicht immer als so „hintergründig“ und „feinsinnig“ empfunden wie ihn die Kritiker einstimmig ausgelobt haben. Manchmal war er heilsam und wohltuend, weil er das große Leid der Flüchtenden, die ganze widerliche Härte des Fremdenrechts, ein wenig erträglicher machte. In anderen Szenen kam er mir eher plump vor, besonders bei allem, was mit dem Kochen zu tun hatte. Vielleicht war es mir auch einfach zu märchenhaft, als der Koch, durch Spinnweben mit der Wand verbunden, mit dem großen Holzlöffel, in der Ecke stehend, schläft.

Aber ja, es darf gelacht werden, auch bei so einem todernsten Thema.

Ich frage mich, ob Kaurismäki es sich besonders leicht oder besonders schwer gemacht hat. Manche Figur scheint nicht ganz ausgeführt, manches wirkt lächerlich statt lustig. Kann man dem Publikum die eigenen Grauslichkeiten, die Ungeheuerlichkeiten dieser Welt nur in dieser Dosis zumuten? Hat der Regisseur das Publikum unterschätzt?

Ich bitte darum, mich nicht falsch zu verstehen, „The Other Side Of Hope“ ist wahrlich ein guter Film, ein sehr guter sogar, aber in Ein Augenblick Freiheit (2008) von Arash T. Riahi, der auch Flüchtende begleitet, habe ich mich viel  ernster genommen gefühlt und war tiefer berührt.  Auch in diesem Streifen ist der Humor nicht zu kurz gekommen! Freilich war das vor der großen Flüchtlingswelle in einem anderen Europa …

Der Film hatte so wie Die Wilde Maus in Berlin seine Weltpremiere, lief im Wettbewerb und der Regisseur konnte sich über den Silberen Bären 2017 für die beste Regie freuen. Wir gratulieren!

The Other Side Of Hope

2017, Finnland / Deutschland, 98min
Drehbuch: Aki Kaurismäki
Regie: Aki Kaurismäki
mit Sakari Kuosmanen, Sherwan Haji, Ilkka Koivula, Ville Virtanen, Tommi Korpela, Kati Outinen, Sulevi Peltola, Timo Torikka, …

Der Film läuft seit 24.2.2017 im Stadtkino im Wiener Künstlerhaus.

 

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