„Ich werde dich immer lieben. Das ist natürlich. Aber du wirst mich eines Tages weniger lieben. Und auch das ist natürlich. “ (Diana)
Mommy heißt der neue Film von Xavier Dolan, der am 12.12.2014 in unsere Kinos kommt.
Es ist eine Geschichte über Mütter und Söhne, die Geschichte von Steve, Diana und Kyla.
Nach einem Zwischenfall wird das schwer erziehbare Heimkind Steve, 15, wieder der Obhut seiner Mutter (Diana, Die) übergeben.
Steve (ganz wunderbar: Antoine-Olivier Pilon) ist kaum zu bändigen, ein lautes Kind, selbstzerstörerisch, aggressiv.
Schnell wird klar, Mutter und Sohn schenken einander nichts. Da wird gepöbelt und geschrien, ein schwieriges Verhältnis ohne Aussicht auf Besserung. Steve ist ein – milde ausgedrückt – anstrengendes Kind, das die Mutter von der ersten Sekunde des Films an (über)fordert.
Da tritt Kyla, eine Nachbarin in das Leben der beiden.
Sie ist Lehrerin, scheinbar hat auch sie ein „ordentliches Packerl“ zu tragen. Hat sie doch aufgrund von Vorkommnissen in der Vergangenheit die Sprache verloren und stottert nun durchs Leben. Sie nimmt sich der beiden an, fungiert als Tutorin.
Ihr Auftauchen scheint wie wie ein Silberstreifen am Horizont.
Oder ist es doch nur ein kurzer Lichtblitz?
Mommy ist der mittlerweile 5. Film von Xavier Dolan (Herzensbrecher, I killed my mother): Wunderkind oder L’enfant terrible der Filmwelt?
Von den einen wird Dolan gehypt, von den anderen gehasst und als überbewertet eingeschätzt.
Für mich macht er in Mommy fast alles richtig.
Er erzählt eine Geschichte, die mich von der erste Minute an gefangen genommen und berührt hat.
Gefilmt im ungewöhnlichen 1:1 Format, mutet die Welt der beiden Hauptfiguren unheimlich klaustrophobisch an. Wenn Hoffnung aufkeimt, verändert sich auch das Bildformat (Cinemascope)!
Obwohl Mommy von einer vulgären Sprache geprägt ist, sind die Charaktere trotz allem zerbrechlich und ungemein verletzlich. Man hadert mit dem „verlorenen Kind ohne Zukunft“. Wär es nicht doch möglich, dass sich alles zum Guten wendet?
Unweigerlich drängen sich Fragen auf:
Werden wir in Zukunft noch weniger bereit sein, uns um Menschen zu kümmern, die anders sind ?
Merkt da niemand, dass dieser schwierige Junge mit all seinem Tun nur so nach Liebe bettelt?
Oder ist die Behauptung: „Liebe ist nicht genug um jemanden zu retten.“ (Sozialarbeiterin in Mommy) schmerzlich wahr?
Einzig mit der Musik kann ich mich nicht anfreunden: sehr mainstream. Von Andrea Bocelli bis zu Oasis Wonderwall ist alles mit von der Partie …
Fazit: Ein großer Film. Laut und leise zugleich. Nicht nur für Mütter und Söhne ein Muss!
Mommy
2014, Canada, 139min
Drehbuch: Xavier Dolan
Regie: Xavier Dolan
mit: Anne Dorval, Antoine-Olivier Pilon, Suzanne Clément, …
FSK 12 Jahre
Anmerkung: Xavier Dolan gewann mit Mommy 2014 den Grand Prix de Jury in Cannes.
Der Film läuft ab 12.12.2014 in den Österreichischen Kinos.