Man hat mir erzählt, Peter Greenaways Filme seien schräg.
Man hat mir auch erzählt, Peter Greenaways Filme seien anders.
Na dann ist The Pillowbook ja genau das Richtige für mich.
Und vielleicht auch für euch!
Kalligraphie, das ist das Stichwort, worum sich alles in diesem Film dreht.
„The smell of white paper is like the scent of skin of a new lover who has just paid a surprise visit out of a rainy garden. And the black ink is like lacquered hair. And the quill? Well, the quill is like that instrument of pleasure whose purpose is never in doubt but whose surprising efficiency one always, always forgets.“ ( Nagiko aus The Pillowbook)
Seit Kindheitstagen ist Nagiko (Vivian Wu) versessen auf alles, was mit Schrift zu tun hat.
Sie beschließt ihr eigenes Pillowbook zu schreiben und zu veröffentlichen, doch der Verleger lehnt ab. Erst als sie auf Jerome (Ewan Mc Gregor) trifft, die Muse des Verlegers, und diesen als wandelndes Buch benutzt und auf ihm schreibt, kann sie damit den Verleger überzeugen. Dieser ordert zwölf weitere „Menschenbücher“.
Die Geschichte steht in diesem Film nicht im Vordergrund.
Obwohl auch hier augenscheinlich Tod, Sexualität und Kunst Greenaways immer wiederkehrende Themen sind. Vielmehr liegt der Hauptaugenmerk auf der Ästethik der Bilder.
Peter Greenaway reizt dabei die technischen Möglichkeiten von 1996 gänzlich aus. Screen in Screen Bilder, Farbfilter genauso wie schwarz/weiß und immer wieder Kalligraphien, die einerseits wie Untertitel durchs Bild wandeln, andererseits über diverse Bilder gelegt werden.
Das alles musikalisch unterlegt mit chinesischen Schlagern der 1930iger Jahre.
Spontan kommt einem als Zuschauer dabei immer wieder der Begriff Gesamtkunstwerk in den Sinn.
Für Schriftversessenen, Kunstliebhaber und für alle, die Ewan Mc Gregor in einer seiner ersten Rollen sehen wollen.
The Pillowbook (Die Bettlektüre)
1996, Großbritannien, 126min
Drehbuch: Sei Shonagon, Peter Greenaway
Regie: Peter Greenaway
mit Vivian Wu, Ewan Mc Gregor, Yoshi Oida…
erhältlich auf www.amazon.at oder bei www.8einhalb.at
Das einzige Manko: die Qualität der DVD hält sich leider in Grenzen. Auch dieser Umstand macht Sehnsucht nach einer Greenaway Retrospektive auf einer großen Leinwand.