Julian Schnabel.
Der Maler?
Er macht Filme?
Ja, und was für welche!
Ich mag sie alle!
Miral, Before Night Falls, Schmetterling und Taucherglocke,…
Le scaphandre et le papillon, so der Originaltitel, ist unter ihnen aber sicher ein besonderes Schmuckstück.

Es ist eine Hommage an das Leben.

Der Film erzählt die wahre Geschichte von Jean-Dominique Bauby, dem ehemaliger Chefredakteur der französischen Elle, der nach einem Schlaganfall mit 43 Jahren aus dem Koma erwacht und bis auf sein linkes Augenlid vollständig gelähmt ist. Die Ärzte diagnostizieren das Locked-in-Syndrom: der Patient ist geistig vollkommen gesund, aber gefangen in seinem gelähmten Körper und dadurch unfähig mit der Außenwelt in Kontakt zu treten.
Man stellt Bauby eine Logopädin zur Seite, die für ihn mittels einer Alphabettafel einen Weg zur Kommunikation findet: die Logopädin liest die Buchstaben laut vor und der Patient blinzelt, wenn der jeweils richtige Buchstabe genannt wird. So werden mühsam und langsam Worte und Sätze gebildet. Schließlich beginnt Jean-Dominique Bauby auf diese Weise sein Leben zu diktieren und es entsteht ein Buch, das später zum Bestseller und zum Kinofilm wird. Mathieu Amalric gewann 2008 den César als Bester Hauptdarsteller.

Julian Schnabel erzählt im Film über große Strecken aus dem Blickwinkel des Locked-In-Patienten. Die Kamera ist statisch, das Sichtfeld begrenzt, der Zuschauer sieht nur das, was Jean-Dominique Bauby auch sehen kann. Jedes Blinzeln, jede Träne – das Bild verschwimmt dann langsam – erlebt der Zuschauer, als ob er selbst im Locked-In-Syndrom gefangen wäre. Anfänglich erscheint es derart beklemmend, dass man geneigt ist wegzusehen. Besonders schockierend empfindet man es, als dem Patienten schließlich ein Auge zugenäht wird und sich dadurch sein Blickfeld noch weiter minimiert.

Vielleicht werden manche jetzt meinen: Nicht schon wieder so ein Film, der zeigt, wie tragisch und besch… ein Leben sein kann! So ist er ganz und gar nicht, versprochen.
Schmetterling und Taucherglocke ist vielmehr eine Ode an das Leben und an die Macht der Fantasie, gespickt mit einer guten Portion Galgenhumor.
„I decided to stop pitying myself. Other than my eye, two things aren’t paralyzed, my imagination and my memory.“ (Jean-Dominique Bauby)

Julian Schnabel macht Filme, die stark an Gemälde erinnern. Manchmal bin ich versucht auf die Stopptaste zu drücken, nur um das Bild noch einen Augenblick länger einzufangen. Ich mag das sehr.

Für alle, die im Moment gern in Cannes wären.
Und für alle, die das Leben lieben.


Schmetterling und Taucherglocke, Le scaphandre et le papillon

2007, Frankreich, 112 min
Drehbuch: Ronald Harwood
Regie: Julian Schnabel
mit Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner, Marie Josée Croze,…
erhältlich unter anderem bei www.amazon.at.

Eine Anmerkung zum Schluss: le scaphandre bedeutet eigentlich Tauchanzug oder Helmtauchgerät und nicht Taucherglocke, wie es im deutschen Titel heißt.

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