Le Passé, Filmplakat
Le passé
 ist der neue Film des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi, nach Nader und Simin ein weiteres Meisterwerk des Autorenkinos.

Ich versuche immer, mich einem Film möglichst unbeeinflusst hinzugeben. Die Recherche hat Zeit bis nachher. Meist hetze ich zur Pressevorführung, nehme im beinahe leeren Kino Platz und warte bis das Licht ausgeht.
Keine Werbung, kein Trailer, nur der Film und ich.

Le passé hat mich aufgesaugt, in der ersten Minute verschlungen.
Adieu Welt. Willkommen persönliche Dramen in einem Pariser Vorort.

Wir beobachten das Leben von Marie (Bérénice Bejo).
Ihre Patchworkfamilie lebt in einem Häuschen mit Garten. Ein Besucher bringt das scheinbar glückliche Leben aller Bewohner durcheinander: es ist Maries Ehemann Ahmad (Ali Mosaffa), der für den Scheidungstermin aus dem Iran angereist ist.
Er wird in einem der Kinderzimmer untergebracht. Keine einfache Situation, nicht nur für Marie: der neue und der alte Mann unter einem Dach.
Auch der Neue, Samir (Tahar Rahim), hat einen Rucksack aus der Vergangenheit mit. Seine Ehefrau liegt im Koma.
Und dann sind da noch die Kinder …

SetWidth150-LE PASSE , Bere nice Bejo (Marie), Tahar Rahim (Samir)_Carole BethuelMarie und Ahmad, Foto: Carole Bethuelv.l.n.r.: Tahar Rahim (Samir), Berenice Bejo (Marie), Ali Mosaffa (Ahmad), Foto: Carole Bethuel SetWidth150-LE PASSE ,Ali Mosaffa (Ahmad)_Carole Bethuel
Mit großem Feingefühl, mit tiefem Verständnis für die Irrungen und Wirrungen der menschlichen Seele erzählt Farhadi eine Geschichte, die viel mehr zu bieten hat, als das klassische Klischee von einer Frau zwischen zwei Männern, von Menschen in Veränderungsprozessen.
Er stellt uns behutsam alle Teilnehmer eines fein verwobenen Beziehungsgeflechts vor. Rund um Marie haben alle Figuren genug Platz sich zu entwickeln, die Handlungsstränge sind kunstvoll miteinander verwoben, inklusive überraschender Wendungen.

Man möchte den Mann hinter der Kamera kennen lernen, der mit so viel Verständnis, Einfühlungsvermögen und Respekt diese Geschichte vom Loslassen, vom Verharren zwischen Vergangenheit und Zukunft, sowie von Liebe und Schmerz erzählt.
Langsam, nie manipuliert, taucht man tiefer und tiefer in die Leben der Protagonisten ein, lässt sich ein, hofft, fürchtet, weint.

Die großartigen Darsteller sind mit der gleichen Könnerschaft ausgesucht wie geführt.
Jeder einzelne, Kinder wie Erwachsene berühren in gleichem Maß.

Beim Pressetermin saßen außer mir nur fünf weitere Medienvertreter im Gartenbaukino.
Autorenkino braucht mehr Menschen, die über großartige Filme berichten.
Und viele Menschen, die ins Kino gehen.

   

 

Le passé

2013, Frankreich / Italien, 130min
Drehbuch: Asghar Farhadi, Massoumeh Lahidji (Adaption)
Regie: Asghar Farhadi
mit Bérénice Bejo (vgl. The Artist), Tahar Rahim (vgl. Un prophète), Ali Mosaffa (Ahmad), Pauline Burlet (Lucie), Elyes Aguis (Fouad), …

FSK 12 Jahre
Der Film startet am 31.1.2014 in den Wiener Kinos.

ausgezeichnet

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