Anleitung zum Unglücklichsein von Paul Watzlawick habe ich seit dem Erscheinungsjahr 1983 mehrfach geschenkt bekommen. Warum?
Ich als begnadete Verdrängerin und mit dem Alter kongeniale Vergesserin will meine Begabung zu Glück und Wohlbefinden nicht aufgeben.
Trotzdem: der neue Kinofilm gleichen Namens ist gar nicht schlecht.
Johanna Wokalek ist Tiffany Blechschmid, die Inhaberin eines gschmackigen Feinkostgeschäfts inklusive Gourmetbeisl in Berlin-Kreuzberg, deren exzentrischer Name ihr von ihrer ebenso exzentrischen Mutter verpasst wurde. Selbige erscheint Tiffany auch nach ihrem Ableben noch im Traum und untertags in höchst unpassenden Situationen, erfrischend überzeichnet dargestellt von Iris Berben.
Tiffany ist eine liebenswürdige Zwänglerin teils Monk’schen Ausmaßes, die grundsätzlich bei allen Szenarien vom Schlimmsten ausgeht, wie angeblich alle Frauen wie viele Männer gern ungefragt behaupten. Die schöne, gebildete und menschenfreundliche Restaurantbesitzerin ist Single und hat ein Problem: sie findet sich durchschnittlich.
Wir begleiten sie ein paar Tage lang vom Aufstehen bis zum Tagesende, geleitet von einer Erzählerstimme in Anlehnung an das Buch, unterhalten von ihren kurzweiligen Angestellten und den illustren Stammgästen. Männer tauchen auf und wieder ab und man ahnt es bald:
die romantic comedy wird ein happy end haben.
Die Grundidee Watzlawicks Thesen zur Inspiration zu benützen und die psychischen Altlasten der Protagonistin im Lauf der Handlung aufzulösen, ist durchaus charmant. Die lustigen Regieeinfälle gehen aber nicht immer auf, manches in Tiffanys Figur ist nicht glaubhaft und, was die Leichtigkeit einer französischen Komödie bräuchte, hat oft philosophieschwangere, deutsche Schwere.
Überdurchschnittlich lustig sein ist eben nicht leicht.
Für kinderlose Singlefrauen und taufrische Paare; für Fans von Johanna Wokalek, schön anzusehen in jeder Hinsicht.
Anleitung zum Unglücklichsein
2012, Deutschland, 87min
Buch und Regie: Sherry Hormann
mit Johanna Wokalek, Iris Berben, Richy Müller, Benjamin Sadler, David Kross, Itay Tiran,…
FSK 6 Jahre
Der Film läuft in vielen Wiener Kinos.