In diesem Film ist der Himmel nie blau.
Die Luft ist immer diesig bis dunstig:
grau.
Am schwarzen Kontinent ist es meist schwarz.
Nacht.
Tiefschwarz.
Ohne das Licht, das bei uns die Städte vom Himmel zurückwerfen.
Durch diese absolute Dunkelheit flackern Stirnlampen, geführt durch die Blickrichtung der Schauspieler.
Sie holen einen Schimmer magisch scheinender Baumstämme hervor oder leuchten die Plastik-Wasserflasche an.
In der nächtlichen Not hineinpinkeln!
Der Wald ist dicht.
Staubige Straßen führen zu heruntergekommenen Häusern oder solchen, die bewacht werden müssen.
Dieses Afrika ist keines mit beeindruckenden, romantischen Bildern.
Es ist die Realität europäischer Entwicklungshelfer mit mehr dunklen als hellen Seiten.
Schwarz/Weiß ist in dieser Erzählung nichts und niemand.
Wir erfahren, dass die europäische Perspektive wenig hilft.
Ein in Paris geborener Farbiger (zweite Hauptfigur), der erstmals nach Afrika reist um ein Hilfsprojekt gegen die Schlafkrankheit zu evaluieren, ist in Afrika ein Fremder.
So fühlte sich auch der Drehbuchautor und Regisseur Ulrich Köhler bei seiner Rückkehr in die Heimat seiner Kindheit – Kamerun.
Ein Fluss ist schlechthin das Bild für den Film.
‘Dem Fluss’ scheint die Liebe Ulrich Köhlers zu gehören, wie seiner Hauptfigur, dem deutschen Arzt Ebbo.
Es ist nicht der große Kongo, es sind kleine Seitenarme, wie der unter einer Straßenbrücke, zu dem Ebbo ohne Erklärung verschwindet um … – ja was?
Ein privilegierter Außenseiter, der hineingezogen wird in dieses Afrika und nicht mehr weg oder weiter kann.
Ihm kommt sein Integrität als Familienvater und Arzt abhanden. Ulrich Köhler behält seine Integrität. Er beutet seine Afrika Erfahrung filmisch nicht aus.
Es wird erzählt, das Nilpferd wäre das für den Menschen gefährlichste Tier Afrikas.
Andere sagen das liegt nur daran, dass es unterschätzt wird.
Ein Film, unterschätzt wie ein Nilpferd?
Kein Film für jemand, der eine Erklärung für alle Entwicklungen der Geschichte braucht.
Ein Film für die, die erfahren möchten, wie es einem mit Afrika ergehen könnte, wenn man nicht als Tourist dorthin reist.
Schlafkrankheit
2011; Kamerun, Frankreich, Deutschland; 91 Min.
Regie, Drehbuch: Ulrich Köhler
Darsteller: Pierre Bokma, Jean-Christophe Folly, Jenny Schily, Hippolyte Girardot, Sava Lolov,…
Auszeichnung: Silberner Bär für die beste Regie bei der Berlinale 2011
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