Einen Spaziergang über den Naschmarkt kann man noch immer zu einem Einkaufserlebnis machen, statt in einem der vielen neuen Lokale sitzen zu bleiben und sich an seinem Glas fest zu halten.
Zuerst nimmt man es vielleicht als Spießrutenlauf wahr, zwischen den entgegengestreckten Gabeln mit aufgespießten Oliven und Falafeln.
Gerade da, zu Kosten bedrängt wird, rate ich nichts zu kaufen. Das liegt zumeist das Preisleistungsverhältnis auf Kosten des Kunden schief.
Wo die riesigen Wasabinussberge hingekommen sind und die unzähligen mit Frischkäse gefüllten eingelegten Gemüsen noch hinkommen werden, ist mir ein Rätsel. Gewürzsackerl liegen derzeit am Naschmarkt auch zu viele, zu lange herum. Ich würde sie nicht “ungschauter” kaufen, sondern mit denen von Sonnentor vergleichen, die ziemlich einmalig sind (Bioläden – siehe auch unten).
Aber je mehr man sich auskennt, um so mehr gibt es zu entdecken. Jetzt im November:
° Quitten (kg 2.00 – 2.80 Euro ), ein apfel- oder birnenformiges Obst, manche Sorte (die meisten kann man nicht roh essen) haben auf der Schale einen pelzigen Flaum; den reibt man einfach ab.
Als Kompott (püriert oder nicht) mit Schlagobers ein Wahnsinnsdessert! DAS Obst für edle Marmeladen und Gelees (auch Quittenkäse und Quittenbrot). Häufig kommen sie in arabische Fleischeintöpfe oder als Fülle ins Gansl.
° Kaki, die man ganz weich kaufen und gleich verzehren sollte (kg 2,20 – 5,00 Euro; 3 Stück ab 1,80 Euro).
° Sharonfrucht eine Kakiverwandte, ist von natur aus härter (kg 1,90 – 5, 00 Euro; 1 Stück ab 0,50).
° Walnüsse (je nach Größe und Dicke der Schale kg 4,00 bis 8,00 Euro). Nüsse in der Schale halten luftig, trocken und dunkel aufbewahrt bis zu einem Jahr. Wenn die Schale ganz sauber aussieht, ohne schwarze Reste der äußersten Schale, sind sie nur aus optischem Grund geschwefelt und das braucht man ja eigentlich nicht.
Ausgelöste Supermarkt Wahlnüsse kommen großteils aus Kalifornien und werden vor und nach der Ernte mit Insektiziden begast – ihre feine Bioware behalten sich die Kalifornier, ist aber ohnehin zu weit.
Es gibt übrigens immer Missverständnisse, wo am Naschmarkt oben und unten ist.
Ich sage, es gibt zwei Enden wie bei der Wurst:
eins Richtung Kettenbrückengasse, eins bei der Secession (das teurere).
Einige Empfehlungen von der Kettenbrücken bis zur Schleifmühlgasse:
602 ‘die Ungarin’ (rechts) immer was Spezielles zu entdecken an Obst, Gemüse und Blumen.
600 Ayurveda Coast (rechts daneben) Indisches u.a. schöne Okras und gute Beratung.
364–373 Biowelt (rechts) mit Brot vom Mauracher-Hof. Am Naschmarkt das für mich beste Schwarzbrot, da sich der derzeitige Wiener “Brotkult” hier nur am erweiterten Samstagsmarkt umgesetzt hat.
361 Dogan Tee und Gewürze (rechts) Dogans sind ein Hotspot, hier im wahrsten Sinne, wenn man sich bei einem Glas Tee aufwärmen kann. Zum Imperium gehört auch das Lokal gegenüber, der ursprüngliche Gemüsestand und die
437-439 Pastamanufaktur (links gegenüber) Da nehme ich mir gefüllte Nudeln mit und bereite sie nur mit in Butter gebratenem frischen Salbei zu.
Zwei besonders gut sortierte Gemüsestände:
341-343 Berber (rechts) Seit 35 Jahren ein ambitionierter und engagierter Familienbetrieb.
374-376 Kutscherer (links gegenüber) Schon vier Generationen am Naschmarkt, Kräuter aus der eigenen Gärtnerei.
An diesen beiden Ständen erfreuen Köchin und Koch jetzt u.a. mit frischem Kraut, Rüben, Kohl und schönen Kohlsprossen, Salaten (Radicchio, Forellenschuß!), Spinat, Kürbissen, Birnen, und sehr gute Apfelsorten.
Die Bauarbeiten am Naschmarkt sollen 2015 fertig gestellt sein. Wann es welche Stände trifft, weiß scheinbar niemand so ganz genau.
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Öffnungszeiten Naschmarkt:
Die Stände öffnen zu unterschiedlichen Zeiten; die meisten haben 9.00 – 18.30 Uhr geöffnet.
Samstags schließen fast alle früher.
Freitags und vor allem am Samstag gibt’s bei der Kettenbrückengasse einige Stände mehr. Viel Bioware! Sonn- und Feiertags sind alle Naschmarkt-Stände geschlossen.
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Mehr zum Einkaufen auf den Wiener Märkten wahrscheinlich mit der Suche nach Maroni und Miagawas, Fisch und Fleisch im Dezember.
lima
Danke für diesen differenzierten (Ein-)Blick auf Angebot und Anbieter!!
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