Blue Mustard Restaurant-Bar © Benedikt Steinle // www.kitchenkonsulting.at

UPDATE April 2019

Anna Haumer und Valentin Gruber-Kalteis haben das Unternehmen mit Ende März 2019 samt ihrem erkochten Michelin Stern leider verlassen. Das Blue Mustard hat sich nun dazu entschlossen, kein Fine Dining mehr anzubieten. Man ist ab April 2019 eine Cocktailbar. Hungrig bleiben muss man aber nicht, es gibt ‚kleine Barsnacks‘.

UPDATE Frühling 2017:

Jetzt kochen im Blue Mustard Anna Haumer und Valentin Gruber-Kalteis. Sehr keke Empfehlung!

 

 

 

Es gibt Köche und es gibt Köche. Und es gibt Alexander Mayer.
Seit diesem Frühling kocht er im Blue Mustard in der Dorotheergasse.

Pia und ich waren gleich in den ersten Tagen da. Nicht nur weil wir gern die Nase vorn haben, sondern auch weil die Neugier uns so antrieb. Schon wieder Fine Dining, schon wieder innenarchitektonischer Overkill, schon wieder große Namen, schon wieder eine prominente Adresse.

Das Interieur des Blue Mustard – der Rest ist Schweigen.

Zum schwierigsten zuerst, zum Ambiente. Man hat keine Kosten und Mühen gescheut. Da blinkt und blitzt es, wohin man schaut vor unzählige Vintageglühbirnen. Ein wilder Mix von Materialien und Stilen: Kupfer, Eisen, Moos. Ich verschone Euch jetzt mit den bissigen Kommentaren zum Interieur, die mir bis dato zu Ohren gekommen sind. Geht hin und schaut selbst! Die Details sind großartig, der Foodtruck im Vorraum zum Beispiel oder die Traktorsitze an der Bar. Unter Strich ist mir das alles aber einfach zu viel.

© Benedikt Steinle // www.kitchenkonsulting.at

Der Stadtplan von Wien als wiederkehrendes Designelement, Blue Mustard, Foto © Benedikt Steinle // www.kitchenkonsulting.at

Touristen und Suchende

Man könnte meinen, die Lage des Restaurants in der Dorotheergasse, im Herzen des ersten Bezirks ist wunderbar. Tatsächlich liegt die Tücke im Detail. Obwohl die Fassade deutlich gebrandet ist, obwohl Wegweiser und Schilder deutlich machen, wo zum Beispiel Hawelka, Trzesniewski und die CasaNova sind, hat man den Eindruck, dass untertags alle paar Minuten eine Suchender hereinkommt um etwas zu fragen oder eine Suchende, um die Toilette zu benützen. Die Schiebebtür am Eingang zum Lokal ist da einfach zu wenig Barriere. Will man seine Ruhe haben, empfehlen es sich die Bereiche hinter und links von der Bar (vom Eingang aus gesehen).

Blue Mustard: Foodtruck und Restaurant

Wir haben den unglaublich schönen Foodtruck im Vorraum kaum beachtet. Vielleicht auch, weil der Fernseher lief und uns irgendwie religiös zumute war in der Aussicht auf das Essen von Alexander Mayer im Restaurant. Da passen die fünf den Stephansdomfenstern nachempfundenen gotische Spitzbögen schon fast gut, die das Lokal dominieren und teilen. Dass dieses bestimmende Designelement des Restaurants dann abwechselnd in Grün und Blau angestrahlt wurde bei unserem Besuch, hat unsere Andacht über den phantastischen Speisen aber eher gestört. Aber ich wollte ja nichts mehr sagen zur Inneneinrichtung.

Der Foodtruck

Der Ordnung halber. Das Ding ist atemberaubend schnittig und chic: ein US-amerikanischer Wohnwagen, chromglänzend und stromlinienförmig. Man wünscht sich, er würde die Welt bereisen dürfen. Hier stationär versorgt er die geneigten Esser mit Shaking Salads und Sandwiches. Angeblich gibt es hier den besten Coffee to go der Stadt.

© Benedikt Steinle // www.kitchenkonsulting.at

Der Foodtruck im Foyer vor dem Restaurant Blue Mustard, Foto © Benedikt Steinle // www.kitchenkonsulting.at

Das Restaurant

Wie viele Superlative darf man bei der Beschreibung von Speisen verwenden? Egal. Mayer kocht umwerfend, mindblowing, euphorisierend. Er lässt einen um die Welt reisen – mit dem Gaumen. Die Menüs heißen derzeit:
„From Vienna to Napoli“ (Euro 59,- für vier Gänge), „From Paris to Bankok“  und „From Bizkaia to Damascus“ jeweils vier Gänge um Euro 63,-. Oder man lässt dem Koch freie Hand: „Carte blanche“ vier Gänge um Euro 62,- und sechs um Euro 78,-.

Gewandt jongliert dieser mit den Zutaten, kümmert sich um jedes Detail, spielt mit Konsistenzen, dass es eine Freude ist. Hier hat alles Sinn, was auf den Teller kommt. Wer Details zur Speisekarte will, klickt hier rein. Man kann alle Gerichte auch einzeln ordern. Die Speisen auf den folgende Bilder haben wir. u.a gegessen. Und wie so gut wie immer haben wir das alles auch selber bezahlt. (Musste wieder mal gesagt werden. Unabhängigkeit ist ein hohes Gut. Wenn wir Pressetermine besuchen, dann steht das auch im Artikel so drin.)

Blue Mustard - die besten Fischstäbchen der Welt ;) - kekinwien.at

Blue Mustard – die besten Fischstäbchen der Welt ;) – kekinwien.at

Blue Mustard, Fischgang: Seesaibling mit Saiblingsleber-Röllchen und Räuchersaiblings-Fond - kekinwien.at

Blue Mustard: Seesaibling mit Röllchen gefüllt mit der Saiblingsleber, rechts daneben der Räuchersaiblingsfonds – kekinwien.at

Blue Mustard, Dessert - kekinwien.at

Beurre Salé: Butterkaramell · Fleur de Sel · Schokolade, Euro 11,- Blue Mustard – kekinwien.at


Blue Mustard = Food- and Cocktail Pairing

Die Mädels und Jungs  vom Art Dinner Club haben dieses Konzept ja auch versucht, aber die Investoren warfen nach zwei Wochen die Nerven weg. Sehr schade. Esser sind schließlich auch nur Menschen und brauchen eine Weile um mit Innovationen umzugehen. Wie zum Beispiel: Zu jedem Gericht ein anderer Drink? Ja, das geht. Und wie!

Die Cocktailkarte wurde vom großartigen Reinhard Pohorec entwickelt. Die Ausführung durch den Barchef Simon Berg und seine Crew ist tadellos. Dass Mayer damals im Vincent mit einem Michelin Stern ausgezeichnet wurde, fällt einem beim Essen wieder ein. Das kulinarische Konzept hier und seine Umsetzung begeistern. Und das alles zu vergleichsweise moderaten Preisen. Wohl einzigartig in Wien.

Ich sage übrigens auch nichts zum Geschirr und zum Besteck. Allerdings möchte ich nicht verschweigen, dass ich schon gern ein Tischtuch, einen Läufer, irgendwas Textiles auf unserem Tisch hätte gehabt. Das muss für mich nicht grundsätzlich so sein, aber hier hat es mir gefehlt, ebenso wie der eine oder andere Unterteller.

Das Service schwankte bei unserm Besuch zwischen liebenswürdig, aber unbedarft, und rasend unpersönlich. Man wünscht sich innig einen Gastgeber mit Leib und Seele vom Format eines Michael Kahovec (Fabios) oder eines Carsten Philippi (zuletzt im Engel) herbei …

Ein Gebet.

Mögen die Gäste in Scharen kommen und wiederkommen, damit wir bis in alle Ewigkeit das Vergnügen haben hier essen zu dürfen. Amen.

 

© Benedikt Steinle // www.kitchenkonsulting.at

Blue Mustard, Dessert, Foto © Benedikt Steinle // www.kitchenkonsulting.at

 

Blue Mustard
Dorotheergasse. 6-8, 1010 Wien
Tel: +43 1 934 67 05
web: https://www.facebook.com/pg/bluemustardwien/about/?ref=page_internal

Öffnungszeiten:  Mo bis Do 17.00 – 2.00 Uhr (Küche 18.00 – 23.00 Uhr), Fr und Sa 17.00 – 4.00 Uhr (Küche 18.00 – 24.00 Uhr )
Nichtraucherlokal, am Wochenende Live-Musik
Inhaber: Vahe Hovaguimian
(Beitragsbild und alle Bilder außer die von kekinwien.at:  © Benedikt Steinle // www.kitchenkonsulting.at)

 

kekinwien.at

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2 comments

  1. Nelly Wambui Obkircher

    Ich würde gerne eine Reservierung für Dienststag machen aber die angegebene Telefonnummer ist nicht korrekt

    • club

      Sehr geehrte Nelly Wambui Obkircher!

      Danke für Ihre Nachricht! Sie haben sich damit an http://www.kekinwien.at, einen Blog gewendet und nicht das Lokal erreicht.

      Achtung: Das Blue Mustard ist derzeit bis auf weiteres geschlossen! Corona Pandemie!
      Details können Sie der facebook Seite des Lokals entnehmen: https://www.facebook.com/bluemustardwien/
      (Die Telefonnummer ist korrekt.)  

      Ich möchte bei der Gelegenheit auch darauf hinweisen, dass unsere Empfehlung aus den ambitionierten Anfangszeiten des Blue Mustard stammt (August 2016); es gab ein Update im April 2019, als man vom Restaurantbetrieb Abschied nahm und ein reines Barkonzept anstrebte, über dessen Qualität wir auf unserer Seite http://www.kekinwien.at allerdings keine Auskunft geben, da wir danach ja nicht mehr getestet haben.

      Sicher finden Sie ein anderes Lokal für einen genussreichen Abend!
      Geht es um Drinks, empfehlen wir zum Beispiel sehr gern die Dino’s Apothecary Bar: 01 5357230
      https://www.kekinwien.at/essen/12/2019/dinos-apothecary-bar-heinz-kaiser/
      http://www.dinos.at/
      Geht es um kreative, mutige Küche, dann findet man diese zum Beispiel im Noble Savage: 0664 994 98389.
      https://www.kekinwien.at/essen/01/2020/noble-savage-neueroeffnung-restaurant-wien/
      https://www.noblesavage.at/
      Durch die Nachbarschaft der beiden Lokale empfiehlt sich fast Dinner und Drinks …

      Gutes Gelingen und keke Grüße aus der Redaktion!