Pramerl and the Wolf. Die Schank - kekinwien.at

Wir waren essen. Aber sowas von!
Pramerl and the Wolf.

Es ist nicht rasend einfach hier einen Tisch zu ergattern: Gezählte vierundzwanzig Plätze und nur Mittwoch bis Samstag offen. Aber dranbleiben zahlt sich aus. Und auf fb posten die Jungs manchmal, falls kurzfristig ein Tisch frei wird, wenn eine Reservierung ausfällt. Zufällig würde man dieses wundervolle Wirtshaus gar nicht entdecken. Pia und ich wären schwungvoll fast daran vorbei gerannt.

Amuse Gueule im Pramerl and the Wolf, Foto (c) kekinwien.at

Amuse Gueule im Pramerl and the Wolf, Foto (c) kekinwien.at

 

Der Tisch ist mit zerknüllten Stoffservietten eingedeckt.

Innen empfängt einen ein kleiner Gastraum mit einer schönen Bretschneider Schank, eine helle Holzvertäfelung, schwarze Tische, eine futuristischen Deckeninstallation zur Beleuchtung, als Deko ein goldener Gartenzwerg und verkehrt herum hängende Blumentöpfe. Ja, man ahnt, wohin die Reise geht. Tradition und Moderne werden wohl auch auf den Tellern ein Tänzchen wagen und es könnte eines auf dem Vulkan sein.

Dann kommt ein blutjunger Sommelier, Julius Neubauer (vormals Pub Klemo), der sein Weinwissen sehr selbstverständlich und sympatisch über die Rampe bringt. Selbst wenn ich noch drei Mal lebe, werde ich mich nicht so gut auskennen. Trotz der höchst erfreulichen Weinkarte, würde ich die Weinbegleitung wählen, nur von ihm über den jeweiligen Wein zu hören.

Pramerl and the Wolf , Foto (c)  kekinwien.at

Pramerl and the Wolf , Foto (c) kekinwien.at

 

Pramerl and the Wolf-Gang sind drei.

Es erscheint  Wolfgang Zankl, ein Quereinsteiger, Koch im zweiten Bildungsweg, und erklärt freundlich das Konzept. Es gibt ein Überraschungsmenü. Nix à la carte. Je nach Hunger isst man mindestens vier und höchstens sieben Gänge jeweils inklusive eines Grußes aus der Küche und der süßen Kleinigkeit zum Schluss. Unverträglichkeiten oder „Gehtgarnicht“ werden ebenfalls im Vorfeld abgefragt. Der Souschef heißt Florian Vit, ein Triumvirat also.

Dann geht’s los. Cider als Apertitiv. Sehr gute hausgemachte Sauerrahmbutter und phantastisches Dinkelbrot. Messerbänkchen für das zarte, elegante Besteck, Schieferplatte für das Brotmesser. (Unter jedem Tisch ist eine Relae-Lade mit Besteck angebracht.) Das Amuse Guele ist ein essbarer Blumenstrauß! Und schon bin ich wieder verliebt. Bittere und saure Noten sind ausgewogen und die Geschmacksknospen werden ideal und sehr amüsant angeregt. Hier schaut man auf’s Detail ohne die Tiefenentspannung zu verlieren. Dieses Essen wird ein Fest, denke ich mir.

Erster Gang. Der erste Weiße ist ein Burgunder von Yann Durieux, LOVE & PIF. Er begleitet Aal, Radieschen, Mohn. Das Radieschen kommt gleich zwei Mal vor, nämlich in der Urform und als Granita. Der Mohn schwebt als Cracker hauchzart darüber. Alles ist gut. Die Granita, der Aal und der Burgunder vertragen sich besonders gut im Mund. Das Geschirr von amaï hätte ich gern zuhause.

 

amaï Geschirr, Foto (c) amaï auf pinterest

amaï Geschirr, Foto (c) amaï auf pinterest

 

Molekulares im Wirtshaus?

Zweiter Gang. Ein Stör aus dem Wiener Umland mit seinem Kaviar, ein halbes gegrilltes Salatherz – ha, wie im Salonplafond, das ist in Mode – Buttermilch und unreife (!) Erdbeeren. Der Wein ist ein Neuburger von Milan Nestarec. Was für ein Auftritt in der Nase! Er kann’s auch am Gaumen und passt gut als Nachfolger des Burgunders. Auch „natural“ wie alles bisherige. Erdbeere, Fisch und Buttermilch gleichzeitig im Mund: So schmeckt es, wenn einer seine Produkte gut kennt. Wir haben beide den Jus mit dem Brot aufgetunkt. Macht viel Spaß hier zu essen.

Dritter Gang. Dass es nicht langweilig wird, ist jetzt Gewissheit. Gespannte Vorfreude macht sich breit. Im Glas ist ein weißer Rioja aus dem Jahr 2006. Heureka. Auf dem Teller liegt Solospargel aus dem Marchfeld: Konventionell, als rohe Scheibchen und als hauchdünne Schale. Dreifaltigkeit. Dazu braune Butter, Rhabarber und Eidotter. Der zitiert molekular die Hollandaise. Spaßig, aber für mich gar nicht nötig, weil mich der Rhabarber so glücklich macht. Es muss nicht immer Erdbeere sein. Sehr gut.

Kek is(s)t #pramerlandthewolf #wien #vienna #foodporn #sehrerfreulich

Ein von @kekinwien gepostetes Foto am

 

Man soll seiner Berufung folgen …

Vierter Gang. Das wird jetzt wohl ein Fleischgericht sein. Kalbsbackerl! Haben wir schon lange nicht mehr genossen. Dazu mit Scheibchen von Oliven und Olivenkraut sehr intensive Noten. Außerdem Morchelpulver und Buchenpilze. Der Buchweizencracker moderiert alles. Aus den Boxen tönt übrigens Jazz. Sogar die Musik passt.

Es folgt ein deutscher Riesling, ein konventionell produzierter Wein, betörende Marillenduft und ganz großes Kino am Gaumen. Das Dessert wird serviert: Flaumiger Karottenkuchen, hauchdünne Karottenscheibchen, Karottenkrokant – wieder drei. Dazu eine cremiges, geiles Sauerrahmnockerl. Könnte ich beides nochmal. Wein und Dessert. Locker. Pia nimmt Kaffee, auch der entzückend serviert und sehr gut im Geschmack.  

 

Ein von @kekinwien gepostetes Foto am

 

Vier bis sieben Mal Glück.

Petit Four. Weiße Schokolade, winzige Würfel vom grünen Apfel, Kerbel. Oh ja! Die Rechnung schlummert in einem Fake-Buch. Hamlet. Man muss schmunzeln. Auch über die Höhe der Rechnung. Für solche Qualität hat man dort oder da etwa ein Drittel mehr gezahlt. Die Speisekarte wechselt ein Mal im Monat, dazwischen gibt es je nach Verfügbarkeit der Grundprodukte kleine Variationen.

Das Publikum ist buntest gemischt und angenehm unspektakulär. Die Gerichte kommen in angemessenem Abstand. Fünf Gänge haben satt gemacht, aber ich kann mir für das nächste Mal sieben schon auch vorstellen.
Fazit: So geht ein Restaurant mit Charakter und erstklassiger Küche, wenn man alles richtig macht.

 

Pramerl and the Wolf, Foto (c) kekinwien.at

Pramerl and the Wolf, Foto (c) kekinwien.at

 

Pramerl and the Wolf
Pramergasse 21 / 1,1090 Wien
Telefon: +43 9464139
E-mail: office@pramerlandthewolf.com
web: www.pramerlandthewolf.com

Öffnungszeiten: Mi bis Sa 18.00 – 24.00 Uhr
Nichtraucherlokal, Reservierung bis vier Personen online, drüber telefonisch
Keker Tipp: Nicht zu warm anziehen bei Pramerl and the Wolf –  es war bei unserem Besuch überheizt.

 

pramerl and the wolf - kekinwien.at

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