
Und zwar nicht nur, weil es das einzige in Wien ist!
Ende Jänner 2015 hat in der Schottenfeldgasse 3 im 7. Bezirk die Swing Kitchen ihre Pforten geöffnet.
Swing hat hier – wie gar nicht so selten vermutet – nichts mit Musik zu tun, sondern meint „swing to vegan“, also hin zur tierproduktfreien Ernährung und das Ganze ein bisschen dalli. Wobei der gute (Auf-)Ruf der Betreiber, also von Irene und Charly Schillinger als vegane Gastgeber aus dem niederösterreichischen Großmugl schon länger bis in die Hauptstadt gedrungen ist. Ab und an wurde ich ja geradezu aufgefordert, doch endlich einen Ausflug ins Mekka der Veganer zu machen, schließlich speisen dort angeblich sogar die echten, ganz großen Stars aus Hollywood, wenn sie in Wien drehen oder aufspielen.
Essen und essen lassen!
Ich bin bei fast extremistischem Sendungsbewusstsein von Essern jedweder „Glaubensrichtung“ grundsätzlich skeptisch. Die scheinbar natürliche Feindschaft von Hardcore-Veganern und Fleisch-Liebhabern geht mir auch schon länger auf die Nerven. Und Etikettenschwindel mag ich auch nicht: Fast Food und Burger hat für mich mit Fleisch zu tun. Und die Imitationen von Schnitzel, Käse und Wurst haben mich noch nie hinter dem Ofen hervor geholt. Ich mag ehrliches Essen. Kurz, die Swing Kitchen habe ich, alte Flexitarierin, aus reinem Pflichtbewusstsein besucht, denn vegan ist eine stetig wachsende Bewegung in Wien. Über Restaurants liest du hier mehr und das Sushi von Pirata habe ich bereits letzte Woche gelobt. (DIY-Fans finde die besten Anregungen bei Attlia Hildmann und jüngst bei der wunderbaren Katharina Seiser.)
Backsteinwand und Küchenkräuter
Das Lokal selbst liegt in einer Seitenstraße der Mariahilferstraße, nahe am veganen Supermarkt Maran Vegan und in jeder Hinsicht im Trend: schon vor der Eröffnung hatte man mehr als 2000 „Freunde“ auf Facebook, die Ästhetik des Corporate Design und das Ambiente des Lokals ermöglichen es jedem Bobo, Hipster, Veganer und Twentysomething sofort sich zu Hause fühlen. Alle anderen werden durch die einfache Formensprache des oft zitierten Berlin Chic zumindest nicht gestört. Beim Lokalaugenschein eine Woche nach der Eröffnung war die „Hütte“ um 15.00 Uhr jedenfalls voll.
Zugegeben, es gibt Schlimmeres als professionelles Marketing und schlaue Innenarchitektur, aber schön langsam wird mir schon ein bisschen langweilig. Das Gute ist allerdings, dass hier natürlich alles gentechnikfrei, fairtrade-zertifiziert, ohne Plastik aus Recycling- oder verrottbaren Materialien und möglichst saisonal ist, ja, sein muss.
Doch nun zum Wichtigsten: dem Essen.
Ich war positiv überrascht! Ich schleppte einen ganzen Sack voll „Swinging Food“ nach Hause und warf die veganen Kreationen den Wölfen aka „Fleischtigern“ zum Verkosten vor – ohne Vorwarnung. Es herrschte zunächst andächtiges, weil kauendens Schweigen, gefolgt von einhelliger Begeisterung. Noch Tage danach wurde angemerkt, dass das wirklich gutes Essen gewesen wäre von „dieser Swing Kitchen“, quasi obwohl vegan. Mir hat’s auch geschmeckt.
Fazit: schnell, preisgünstig, gut und vegan sind keine Widersprüche. Wenn ich in der Gegend bin, werde ich sicher gern wieder hier essen.
Dringende Empfehlung für das Swing Burger Menü (Euro 8,60) und den Cheescake (Euro 3,20) !
Swing Kitchen
Schottenfeldgasse 3, 1070 Wien
website: http://www.swingkitchen.com/
facebook: https://www.facebook.com/SwingKitchen
Öffnungszeiten: Mo bis Sa 11.00 – 22.00 Uhr
Nichtraucherlokal; organisiert über Bestellnummern, die optisch und akustisch aufgerufen werden; gute 20 Sitzplätze; auffallend nettes Service; auf einen Schanigarten darf man hoffen.
Aus der Speisekarte:
- Falafel Wrap um Euro 6,20
sehr große Portion, interessante Sauce, aber das können die Experten von der Falaferia eine Spur besser - Swing Burger um Menü Euro 8,60
eher von der größeren Sorte, sehr gutes Bun, rauchiges Aroma beim Patty, „handgeschnitzt“ wirkende Pommes, alles bestens - Vienna Burger Menü um Euro 8,60
die ultimative Weiterentwicklung der Schnitzelsemmel, sehr knackiges Weckerl, ebensolcher Salat, köstlich - Cheesecake um Euro 3,20
ein durchschnittlich großes Stück, nicht ganz hübsch, weil die Früchte „abfärben“, aber großartig im Geschmack – um den haben wir uns gestritten!