Wer bisher glaubte, nur in Asien könne man schnell das Gesicht verlieren, wird in der Ausstellung Faceless II eines Besseren belehrt.
Das allerdings in ganz großartiger und berührender Art und Weise.
Der langgestreckte, schmale Raum des freiraum Quartier 21 Museumsquartier mag damals gut zum Pferdeeinstellen gewesen sein, die aktuelle Ausstellung hätte mehr Platz verdient. Aber die Designer der Ausstellung haben aus dem Übel eine Tugend gemacht und die Exponate wie auf einer Messe in Boxen aus Holz untergebracht. Ein Durchschlendern durch die Schau wie durch eine Shopping Mall ist ein guter Einstieg!
Die Exponaten von Adam Harvey, der gemeinsam mit der Modedesignerin Johanna Bloomfield „Stealth Wear“, intelligente Tarnkleidung und Accessoires, entwickelt hat, die vor Überwachung schützen, fallen gleich zu Beginn auf: im „Privacy Gift Shop“ gibt es tatsächlich eine Anti-Drohnen-Kollektion aus metallisiertem Textil, das verhindert, durch Wärmebildkameras aufgespürt zu werden, zu kaufen.
Weiter kreist man um Gesicher.
Arom Bartholl zeigt uns in „How to Vacuum Form“ fast humorvoll, wie man sich seine eigene Guy-Fawkes-Maske bastelt – kann man hin und wieder brauchen.
Bryan Lewis Saunders hat ausgereizt, was Drogen mit (s)einem Gesicht machen: seit Jahren schießt er täglich ein Selbstportrait unter Einfluss wechselnder Substanzen. Totaler Körpereinsatz für die Kunst.
Wie oft in Faceless II. Auch der Tod schaut hier hin und wieder vorbei, der digitale oder der wahrhaftige.
Man spielt mit unserem Gesicht, mit der Visitenkarte unserer Identität, die wir, wie ich jetzt weiß, nur allzu leichtfertig den großen Datennutzern dieser Erde zur Verfügung stellen. Gratis, wissentlich – und nicht wissentlich.
Unsere Visage als Bites and Bites: vielfältig benützbar bis missbraucht.
Gleichzeitig aber: „Gesichtslosigkeit greift um sich. Wir brauchen Strategien uns der Ewigkeit des Internets zu entziehen.“, meinte Bogomir Doringer, der Hauptkurator während der Presseführung. Ein neuer Gedanke für mich …
Was defacto bedrückend ist, kommt für uns Besucher spannend, humorvoll, fast spielerisch daher, und so darf Part II getrost genau so viel Spaß machen wie Part I.
Für eine Runde Denkanstoß zum Durchgehen (15 Minuten) oder für ein beeindruckendes Erlebnis (90 Minuten) dringend empfohlen.
FACELESS part II
freiraum quartier21 INTERNATIONAL/MuseumsQuartier Wien
Museumsplatz 1, Hof 8, 1070 Wien
Tel.: 01 / 523 58 81 1707
web: www.quartier21.at und www.facelessexhibition.com
Die Ausstellung läuft noch bis 24.November 2013!
Empfehlung für das Rahmenprogramm!
Öffnungszeiten: Di bis So 13.00 – 19.00 Uhr
Eintritt frei!
Kurator: Bogomir Doringer (*1983 Belgrad, lebt und arbeitet in Amsterdam) in Zusammenarbeit mit Brigitte Felderer
Ausstellungsdesign: Thilo Ullrich, Martin Hickmann
KünstlerInnen:
Martin Backes (DE), Jeremy Bailey (CA), Jonathan Barnbrook (UK) for David Bowie, Aram Bartholl (DE), William Basinski (US), Zach Blas (US), Heiko Bressnik (AT), Ondrej Brody (CZ) & Kristofer Paetau (FI), Mark Brown (NL/GB), Cracked Labs (AT), Ben DeHaan (US), Sofie Groot Dengerink (NL), DENNATON (Jonatan Söderström & Dennis Wedin) (SE), Arthur Elsenaar (NL), Hrafnhildur Gissurardottir (IC), Adam Harvey (US), Jakob Lena Knebl (AT) & Thomas Hörl (AT), KATSU (US), Miodrag Krkobabić (RS), Matthieu Laurette (FR), Mirko Lazović (RS/NL), Theo-Mass Lexileictous (CY), Vanessa Lodigiani (MX), Jill Magid (US), Alberto de Michele (IT), Jelena Misković (RS), Bob Miloshević (RS), Andrew Newman (AU/DE), Bernd Oppl (AT), Marco Pezzotta (IT), RAF SIMONS, Tarron Ruiz-Avila (AU), Bryan Lewis Saunders (US), Tim Silver (AU), Maiko Takeda (JP), Ari Versluis (NL) & Ellie Uyttenbroek (NL), Daniel Vom Keller (CH/NL), Martin C de Waal (NL), Anne Wenzel (NL), Lucy Wood (UK), Andrew Norman Wilson (US) und Marcus Zobl (US/AT).