Wer die richtigen Freunde hat so wie Severin Corti, die mit ihm das neue
Chinarestaurant No. 27 durchkosten, kann sich glücklich schätzen!

Nur gut, dass er uns via Rondo im Standard gleich daran teilhaben lässt!

Nachdem ich diese Kritik verschlungen hatte, war ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt dort – reichlich früh, schon um 18.00 Uhr war das Lokal halb gefüllt und etliche Tische reserviert.

 

 

 

 

Die Qualität des Essens hat sich also (vor oder nach der Standard Kritik) schon herumgesprochen. An vielen Tischen saß zumindest ein/e Asiate/in und es wurde überall lustig ‘geschnattert’, als wäre man in Sichuan und nicht in im 3. Bezirk.

So auf die anderen Gäste fixiert vergisst man, dass das Lokal optisch wirklich eine Herausforderung ist. Man schaut am besten gleich in die Speisekarte (in den Teil: ‚Original Chinese Food‘); und bis die Teller kommen bloß nicht mehr rechts und links.

 

 

 

 

Als sommerliches Entrée empfehle ich Nudeln mit Sauce aus schwarzen (fermentierten Soja-) Bohnen. Ab dann wird’s mit allen Sorten Fleisch – Innereien, Meerestieren, Karpfen und Ähnlichem – scharf, sehr scharf!
Aber gut!
Die sichuanesische Küche passt zum subtropisches Klima dieses Landesteils Chinas. Also ist das vor kurzem eröffnete Restaurant No. 27 gerade dann, wenn es bei uns draußen auch heiß ist, die optimale Wahl.
Zumindest, wenn man sich zu dieser Küche hingezogen fühlt. Und das ist bei mir der Fall. Spätestens seit ‚Shark’s Fin and Sichuan Pepper:
A Sweet-Sour Memoir of Eating in China‘ von Fuchsia Dunlop, das ich jedem HEISS empfehlen möchte.

 

 

Dunlop hat die Chinesische Kochkunst wirklich studiert und als einzige Nicht-Asiatin eine Vollzeit-Ausbildung am Sichuan Institute of Higher Cuisine absolviert. Sie arbeitete für die BBC, und mit ihrem journalistischen Verständnis und kosmopolitischen Hintergrund zeichnet sie ein faszinierend lebendiges Bild der 1990er Jahre in China.
Anfangs wirft sie sich mit purer Begeisterung in die kulinarische Welt in Chengdu, später reist sie durch ganz China und muss entdecken, dass die kulinarischen Verheißungen mit den rasanten Veränderungen nicht mehr so naiv genießbar sind (quasi süß-saure Erinnerungen).

Seit wenigen Tagen ist Fuchsia Dunlops viertes Kochbuch ‚Every Grain of Rice‘ erschienen und das ist sicher mindestens genau so großartig wie die bisherigen. Es enthält exakte Beschreibungen wie man die Zutaten schneidet und die einzelnen Kochvorgänge durchführt – auch für Spezialisten, gelobt von Ken Hom und Nigel Slater.

 

Eigentlich kann mit Ihren Anweisungen jeder, der gelegentlich eine Küche benützt, ‚Gong Bao Huhn‘ (mit rohen Erdnuss-Bohnen) nachkochen, dass es fast so schmeckt wie bei No. 27.
Für zwei Hühnerbrüste ‚mit einer guten Hand voll getrockneten Chilis,
aber zumindest zehn…‘: ich gestehe, ich nehme weniger.

Mir gefällt am No. 27, dass es in jeder Hinsicht genau das Gegenteil
von dem ist, wofür Chanel No. 5 steht. Und obwohl es an meine Schärfe-Grenzen geht, will ich gleich wieder hin um zu kosten und zu lernen, um Tränen zu vergießen und zu genießen!

 

 

 

Chinarestaurant No. 27

Ungargasse 27, 1030 Wien
Tel.: 01 / 714 31 24
Küche täglich von 11.00 bis 15.00 Uhr und 17.30 bis 23.00 Uhr
Vorspeisen: Euro 2,90-6,20 / Hauptspeisen:  Euro 6,90-18,80.

 

Shark’s Fin and Sichuan Pepper: A Sweet-Sour Memoir of Eating in China

Fuchsia Dunlop
April 2008, 1. Auflage, 320 Seiten, Englisch, W.W. Norton Company
ISBN-13: 978 039 306 657 9
Jane Grigson Award (2009), Kate Whiteman Award for Work on Food and Travel (2009)
als Taschenbuch neu ab Euro 9,20 gesehen auf www.amazon.at

 

Every Grain of Rice

Fuchsia Dunlop
2012, 352 Seiten, gebunden, Englisch mit farbigen Abbildungem, Bloomsbury Publishing
ISBN-13: 978 140 880 252 6
gesehen um Euro 37, 10 bei www.weltbild.at

 

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